Bavarian Kiwis

 
05Oktober
2014

Thailändische Schweineohren, zwei surfende Brotbäcker am Friedenstisch und der Club der Feinschmecker - Wir nehmen Abschied

Die Stunde, die Südinsel zu verlassen, war gekommen. Um sechs Uhr in der Früh stapften wir mit schwerem Rucksack und Joghurt essend zum Bus los. Dabei stellte sich das Joghurt als weniger gute Idee heraus, denn zwei Stunden später entledigte sich Jakob dem Milchprodukt. Doch er erholte sich schnell und bei der zweieinhalb stündigen Fährüberfahrt blieb genug Zeit die Südinselerlebnisse Revue passieren zu lassen.

In Wellington ging es mit dem Bus weiter durch die Nacht ganz in den Norden, wobei der kleine, gedrungene Busfahrer, mit einem runden Gesicht und zu kurzer Anzugshose mir wie aus einem Thriller vorkam. Sollte ich wirklich einmal ein Büchlein schreiben, werde ich mich an diese Gestalt erinnern. Bei der fast elf Stunden langen Busfahrt schliefen einem immer wieder die Gliedmaßen ein, was in der Kombination mit der recht wilden Fahrtweise nur zu kurzen Schlafperioden führte. Entsprechend gerädert kamen wir in der Stadt an, in der wir unsere Reise gestartet hatten. Wir irrten ein wenig in Auckland umher, stärkten uns und vertrieben uns die Zeit mit Fußball und Eishockey, denn schon mittags sollte es noch weiter in den Norden gehen, zu einem Ort, an dem es uns sehr gut gefallen hatte und an dem wir unbedingt noch einmal mehr Zeit verbringen wollten. Zur „Endless Summer Lodge“ am 90 miles beach. Weil der Bus unser Endziel jedoch nicht ansteuerte, waren wir gezwungen die letzten 87 Kilometer zu trampen. Nach 10 Minuten Daumen raus halten, hielt ein Mann an, der bereit war uns zwei Jungs, vollbepackt wie wir waren, mitzunehmen. Allerdings wohnte der gute Mann 13 Kilometer vor dem Ort, in den wir wollten, wovon es weitere 13 Kilometer bis zu unserem Ziel waren. Er ließ uns an seinem Haus aussteigen, fuhr selbst zu seinem Feld, um dieses zu bewirtschaften und wir dachten, kein Problem, jedes Auto, das hier vorbeikommt, fährt in den Ort in den wir wollen. Rein logischerweise, denn diese Straße hatte keine weiteren Abbiegungen in ihrem Verlauf. Naja denkste. In den Ort gefahren sind wahrscheinlich alle, aber mitnehmen wollte uns keiner mehr. Nach über einer Stunde standen wir immer noch vor seinem Grundstück als er vom Kartoffelklauben zurückkam. Kurzerhand bat uns Roger in sein Haus und bot uns einen Schlafplatz an. Er stellte uns seiner thailändischen Frau vor und deren Kindern. Zu unserem großen Glück wurde groß aufgekocht. Ein thailändischer Freund, der ein Restaurant in Auckland besitzt, kam mit weiteren Bekannten. Zu Reis gab es verschiedene erträglich scharfe Soßen, wobei die ungewöhnlichste wohl die war, in der Schweineohren angebraten mit Bohnen den Weg in den Mund fanden. Ich versuchte zwar gerade vegetarisch zu leben, aber aus Gastfreundschaft und aus der Einmaligkeit des Moments heraus, probierte ich die Schweineohren, die ehrlicherweise kein kulinarischer Hochgenuss waren, wenn man knacksend auf ihnen kaute. Ganz artig brachten wir das einzige Wort aus unserem thailändischen Vokabular zum Einsatz: aroi - lecker. In der etwas konservativ anmutenden Bude ließen wir mit Roger und seiner Frau Kim den Abend am Tisch ausklingen und erfreuten uns derer Gastfreundschaft.

Geweckt wurden wir von den gackernden Gänsen und dem krähenden Hahn direkt vor unserem Fenster. Auch am Morgen wurden wir bestens versorgt mit Bacon und Spiegelei. Weil uns das Ganze ein wenig „unangenehm“ wurde, baten wir als Gegenleistung unsere Hilfe an. Nach kurzem Zögern, halfen wir dabei 22 Zwiebeln für ihren Stand am Markt zu schälen, an dem sie thailändische Spezialitäten verkauften. Mit dabei immer ein kleiner bellender Hund. Auf dem gegenüberliegenden Feld, das vollkommen überwuchert war (Roger - im Rentenalter - war früher Maler und macht die Landwirtschaft nur aus Spaß), buddelten wir Kumaras aus, eine rötliche Süßkartoffel. Leider passierte uns beim Umwühlen des durchwachsenen Bodens das Missgeschick, dass wir die Mistgabel unbrauchbar machten und sie aus Versehen zerbrachen. Während Boss, der größere Hund, auf das Haus aufpasste, fuhren wir beide mit Roger und Kim zu einem anderen Feld, auf dem wir erneut Kumaras und auch kleine peruanische Kartoffeln aus der Erde holten. Das ging uns nach einer gewissen Zeit mit der kaputten Mistgabel ein wenig auf die Nerven. Aber bevor echter Groll aufkommen konnte, sahen wir uns schon dabei Sweet Corn zu ernten. Erst am späten Nachmittag ging es zurück zum Haus, wo wir noch thailändische Suppe mit Instantnudeln und widerlichen Würsten essen mussten, ehe wir uns daran machten uns zu verabschieden. Doch wir durften nicht fahren ohne, dass die beiden uns Chillis, Kumaras, Kartoffeln, eine Menge Mais und Trauben zusteckten. Roger ließ es sich auch nicht nehmen uns zu unserem eigentlichen Ziel zu fahren, aber nicht bevor er noch mit uns unseren dringend nötigen Einkauf unternahm. Wir stopften sein Auto mit Lebensmitteln im Wert von 200 Dollar randvoll und irgendwie war es ein komisches Gefühl mit einem tags zuvor noch wildfremden Mann einen Großeinkauf zu machen. An der „Endless Summer Lodge“ angekommen, waren wir ganz erfüllt diese Erfahrung der Gastfreundschaft gemacht zu haben. So etwas zu erleben, steckt an, selbst offen für solch eine Freundschaft gegenüber Fremden zu sein. Allerdings freuten wir uns auch endlich an der Lodge angekommen zu sein, nach einer solch langen Reise von knappen 1500 Kilometern mit Bus, Fähre und Auto.

Die Lodge war der perfekte Ort zum Entspannen. Eine alte Kauri Villa aus Holz, liebevoll eingerichtet, mit Hunden im Haus, einem weitläufigen Garten, direkt am Meer gelegen und einem einladenden großen Holztisch unter einer von Weintrauben bewachsenen Laube. Dies sollte unser Ort für die nächsten Tage werden. Für diesen Abend freuten wir uns über eine richtige Dusche und darüber, das zu essen, was wir selbst ein paar Stunden zuvor geerntet hatten.

Am nächsten Tag hieß es endlich Surfen. Bei tollem Wetter schwangen wir uns in die Neoprenanzüge, schnappten uns zwei Boards und sprangen einfach mal drauf los in die Wellen. Immer wieder versuchten wir aufzustehen, ehe wir beide nach und nach ein Weilchen länger auf dem Bord stehen konnten. Ein Wahnsinnsgefühl von einer Welle Richtung Strand getragen zu werden. Es war wichtig, es immer wieder zu versuchen, auch wenn es schief ging, wir unter Wasser gedrückt wurden, das Bord einem auf den Kopf geschleudert wurde, man Finnen abbrach oder einem das Rauspaddeln ewig vorkam. Jeden Tag steigerten wir uns ein wenig und hatten unendlich viel Spaß dabei auf dem Brett stehend (schon auch mal bis zu einer halben Minute) das Gleichgewicht zu halten und zu surfen. In dieser Zeit wurde ein kleiner Traum wahr. Der Traum eines Surferlebens, der ziemlich viel Spaß beinhaltet, aber keineswegs wenig anstrengend ist. Erschöpft belohnten wir uns mit der Außendusche, ausgiebig gekochten Gerichten und unvergesslich schönen Stunden um den hölzernen Tisch hinterm Haus, um den sich jeden Abend die unterschiedlichsten Nationen (von Schweden, Dänen, Neu Kaledoniern, Engländern, Kanadiern, Schweizern, Amerikanern bis hin zum „normalen“ Deutschen) versammelten und in einer unbeschreiblich schönen Atmosphäre Geschichten miteinander austauschten. Dabei sagte eine schon etwas ältere Dänin leicht angerührt und beeindruckt: „This prevents world war.“  

Gab ein Tag mal keine Wellen her, beschäftigten wir uns ganz gemütlich mit den unterschiedlichsten Menschen des Erdballs beim exzessiven Tischtennisspielen, abwechslungsreichen Kochen, relaxen, miteinander ein Pläuschchen halten, lesen, Postkarten schreiben, Filmeabenden und auch schon ein wenig damit, die sich dem Ende neigende Zeit in Neuseeland noch einmal im Kopf durchzugehen. Über uns hinaus wuchsen wir beim Brot backen. Unser eigenes Brot hatte endlich mal eine Kruste und wir waren nach zwei Scheiben auch gesättigt. Bei alledem verbrachten wir vor allem gegen Ende unserer Tage in der „Endless Summer Lodge“ viel Zeit mit den Feinschmeckern Jojo, Lukas und Freddy. Diese wirklich unvergesslich schönen Momente, mit all dem was wir erlebt hatten, mündeten nach 10 Tagen in zwei Partynächten. Bei ausgelassener Stimmung grillten wir Burger, backten wie die Weltmeister Pfannkuchen, feierten Geburtstag, hatten bei wunderschönem Wetter ausgelassene Abende und genossen diese Zeit so wie sie war.

Dem Club der Feinschmecker fiel es nach unzähligen Kanistern selbstgemachtem Wein bei Morgengrauen entsprechend schwer aufzustehen, möglichst alles einzupacken und den Bus zu erwischen, der uns von diesem paradiesischen Ort brachte. Unsere Wege teilten sich an unterschiedlichen Stellen der Strecke Richtung Auckland. Gegen Abend nahmen Jakob und ich die Fähre im Sonnenuntergang nach Waiheke Island, einer Auckland vorgelagerten kleinen Insel, die zu unserem „Reiseausklangsort“ werden sollte. In der Dämmerung erreichten wir unser Hostel mit Jacuzzi und Pool. Wir hörten bei Spaghetti Bolognese einem gesprächigem Finnen, was in meiner Vorstellung eigentlich eine Antithese ist, zu, wie er uns von „seinem“ Beitrag zum Mauerfall erzählte.

Nach einer eher suboptimalen Nacht mit Schnarchern im Raum, bestand unser Tag eigentlich nur daraus, abwechselnd in den Pool und Jacuzzi zu steigen, das ein oder andere Schwätzchen zu halten und sich über den lustigsten Typen, den wir jemals gesehen hatten zu amüsieren. Wenn dieser unglaublich verstrahlte Kerl mit dem langsamen Blick nur ein Wort sagte, mussten wir beide uns zeitgleich beinahe in die Hose machen. Das Skurrilenkabinett wurde am Abend von einer vollkommen zugekifften Oma erweitert, die in einer geselligen Runde die ganze Zeit vor sich hin erzählte und Wasser in großen Schlucken aus einem Topf trank.

Unseren letzten entspannten Tag verbrachten wir an einem Strand auf der schönen Insel, ließen uns noch einmal die Sonne auf das Gemüt strahlen und den Wind um die Nase blasen. Mit einem Hauch von Abschied schmausten wir neuseeländisch „Fish´n Chips“ bei untergehender Sonne und ließen alles auf uns wirken.

Unser Weg führte uns dorthin zurück, wo unsere Reise vor 159 Tagen begonnen hatte. Zurück ins „Bamber House“. Das Haus, in dem wir mit Hilfe von Brian unsere ersten Schritte planten, von wo wir mit unserer Jacqueline losgefahren sind, mehr als 9000 Kilometer durch das abwechslungsreiche Neuseeland voller Naturphänomene, in dem wir riesigen Bäumen begegnet sind, hautnahe Begegnungen mit Orkas machen durften, eine einmalige Frühstücksunterhaltung mit freudigenden Delfinen hatten, uns immer wieder an den schönsten Naturstellen wiederfanden, an den unglaublichsten Flecken übernachteten; eine Zeit in der wir Vulkane bestiegen haben, Fische gefangen, Freundschaft erleben durften, unvergessliche Sonnenuntergänge bewundert haben, die neuseeländische Arbeitswelt und die dazugehörige Arbeitshostelpartywelt erfahren haben, in der wir Neujahr weit weg von zu Hause, aber ganz und gar nicht allein verbracht haben, in der wir Leute aus der ganzen Welt kennengelernt und uns mit einigen angefreundet haben,  in der wir wunderschöne Segeltage mit vielen unvergesslichen Highlights verleben durften, Sanddünen hinuntergerast sind, Thunfischnudeln und auch vieles andere gekocht haben, Erdbeben erlebt haben, Robben und Pinguinen begegnet sind, Wanderungen in faszinierender Umgebung unternommen haben, die Welt von oben bestaunen durften, Gletscher, Regenwald und Meer an einem Tag mit unseren Sinnen wahrnehmen konnten, Lagerfeuerstunden teilen durften, Sterne geschaut und Sternschnuppe a más gezählt haben, unberührt und unwirklich daliegende Seenlandschaften bestaunen konnten, unglaubliches Wetterglück hatten, das ein oder andere Bierchen zusammen getrunken haben, Wellen geritten sind und vieles mehr. Rundum unseren Traum erfüllt haben von einer Reise mit eigenem Van durch die Schönheit der Natur Neuseelands. Jeder auf seine ganz andere Art und Weise, aber doch immer zusammen. Zwei Bavarian Kiwis. Die unvergesslichste Reise ihres Lebens. Reisezeit ist Lebenszeit.

Das Flugzeug hebt ab. Blick aus dem Fenster. Blick zurück. Zurück aufs Land. Unser Land. Neuseeland.

03Oktober
2014

Von den Kölner Philharmonikern, einem wandelnden Budapester Reiselexikon, zwei Duschwasserräubern und der letzten Nacht mit Jacqueline

Wir gönnten uns wenig Schlaf. Denn wir krochen früh aus den Federn, verließen endgültig den ranzigen Campingplatz und setzten uns in Campingstühlen vor die Bibliothek, um mit dem AEV mitzufiebern. Nach der unglücklichen Penaltyniederlage steuerten wir ein Schiffscontainercafe in der Innenstadt an, in dem uns meine gut eingecremten Eltern erwarteten. Wir hatten bei einem ausführlichen Frühstück richtiges Backpackerglück, denn unser Frühstück war umsonst, nachdem wir zuerst vergessen wurden. Von dem gesparten Geld gab es noch eine extra Portion Pancakes. In der bewährten Sitzformation des Vortages fuhren wir gemeinsam zum Autoverleih, wo es für Jakob und mich zum ersten Mal seit Ende Oktober Abschied nehmen hieß. Während ich meinen Eltern die Südinsel zeigte und wir in der knallgrünen Jucy herumfuhren, kümmerte sich Jakob um Jacqueline, verbrachte Angelzeit sowohl mit Finn und Jost als auch ganz allein an einem komplett einsamen See und machte so manch eine Bekanntschaft in Christchurch.

Die Zeit zu dritt startete schon extrem lustig. Wir verfuhren uns fürchterlich und hatten keine Ahnung wo wir waren, mein Vater betätigte immer den Scheibenwischer anstatt zu blinken und im Supermarkt machte sich der Schlafmangel vollends bemerkbar, als er für eine Weinprobe seinen Kaugummi einfach in seiner Hosentasche verschwinden ließ und sich danach wunderte, dass der Geldbeutel verklebt war. Ich habe mich fast gekugelt vor Lachen. Ein wenig Eingewöhnungszeit musste man den beiden eingestehen, auch wenn sie es fast nicht glauben konnten wie viel ich futterte.

Die kommenden knappen drei Wochen waren voll von beeindruckenden Erlebnissen. Die beiden waren sehr schnell begeistert, was mir noch einmal vor Augen führte, wie besonders dieses Land ist. Wunderschöne blaue Seen, gespeist von im Hintergrund zu erkennenden Gletschern, in denen sich keiner traute bei frischen Außentemperaturen und noch viel kältere Wassertemperatur ein Bad zu nehmen, außer zwei deutschen männlichen Touristen (wobei einer weniger Tourist war als der andere); Wanderungen in sanften, rauen und bergigen Landschaften, entlang des Meeres, entlang Flüssen und Seen; den Gletschern beim Fließen zuhören; Naturwunder wie die kugelrunden Moeraki Steine am Strand der tasmanischen See bestaunen; an einem menschenleeren Strand in der Abendstimmung herumtollenden und faulenzenden Seelöwen begegnen; Robben und Delfine in einer unwirklichen Fjordlandschaft mit sich die Steilhänge herabstürzenden Wasserfällen bewundern; atemberaubende Ausblicke in stürmischem Wind auf schottisch anmutende Steilküste mit saftiger grünen Wiese im Hinter- und weißem Sandstrand im Vordergrund genießen; im schottischen Dunedin ein Plakat der Kölner Philharmoniker in einem asiatischen Takeaway entdecken; an unglaublich schönen Flecken in der Natur übernachten; sich für eine Nacht eine Hütte gönnen und am nächsten Tag vom Schnee überrascht werden; sich den eigenen Vater im Hundekostüm vorstellen und sich am Lake Wanka darüber fast in die Hose pieseln; im Regenwald unbekannte Pflanzenarten entdecken; ein Possum überfahren (gilt in NZ als gute Tat, auch wenn es sehr unangenehm ist und nicht beabsichtigt war); am Strand über die im Abendlicht von der Sonne beleuchteten schneebedeckten Berge staunen; in aller Früh aufstehen und am Spiegelsee sich an den spiegelnden Bergen in einer friedlichen Ruhe erfreuen; am Meer frühstücken; mit dem Kajak im Meer des traumhaften Abel Tasman National Parks herumschippern, dabei Rochen und Robben begegnen und an einer einsamen Insel anlegen; ein wandelndes Budapester Reiselexikon aus dem Paradies wieder zurück in die reale Welt nehmen; den letzten Atemzug eines Wals hören, bevor er mit einem finalen Flossenschlag wieder in den Tiefen des Ozeans verschwindet. Unvergessliche Highlights aus der Zeit mit meinen Eltern, in denen wir einmal komplett die Südinsel umfahren haben. Eine Zeit, die meinen Eltern Lust auf Mehr gemacht hat. Mehr Neuseeland.

 

Nachdem wir uns in Kaikoura getroffen hatten, fuhren wir wiedervereint nach Christchurch zurück. Jetzt startete wieder der harte Backpackeralltag. Das hieß, Kosten sparen. Einen passenden Stellplatz hatten wir ja schon ausfindig gemacht, an dem es allerlei gab, nur keine Dusche. Deshalb fuhren wir kurzerhand in ein Hostel, in dem Jakob den Türcode ausgekundschaftet hatte und duschten dort ganz dreist. Mit lautstarken „Günther-Günther“-Rufen ging es ins Bett.

Die kommenden Tage waren davon geprägt, dass wir Versuche unternahmen, Jacqueline zu verkaufen. Deshalb spielte sich unser Alltag meist auf dem Parkplatz und in der Bibliothek ab. Zwischendurch ging es zu einer Partie Fußball in den Park, Fynn mit gebrochenem Fuß im Krankenhaus besuchen, die Reise in Asien planen, sich in einer Arbeitsagentur mit einem lächerlich leichten Test bewerben (allerdings bekamen wir trotzdem keinen Job, was vielleicht daran lag, dass ich recht unüberlegt mit einem T-Shirt vorstellig wurde, auf dem „How to avoid work“ stand), Eishockey und Fußball schauen, die Jacqueline für potenzielle Käufer schön machen oder zu siebt mit Finn, Jost, einer Holländerin, einer Deutschen und einem von den Fidschiinseln in der Jacqueline Fangesänge anstimmen. Unser erstes Treffen mit den ersten wirklich interessierten Käufern verpennten wir. Vier Stunden später präsentierten wir im strömenden Regen drei Israelis unsere Jacqueline. Sie zeigten sich sehr interessiert, wollten den Preis jedoch noch ziemlich drücken, weil sie der Meinung waren, dass ein spezielles Teil alle 100.000 km gewechselt werden müsste, was sie beim Kilometerstand von 282.000 km zwar nicht direkt betraf, aber einen späteren potenziellen Käufer. Wir versprachen zu überprüfen, ob das Teil nicht schon gewechselt worden ist. Die klitschnassen Klamotten im Van aufgehängt, spielten wir am Abend mit Finn und Jost das Leiterspiel, ehe wir es uns ein letztes Mal in der Jacqueline gemütlich machten.

Die Überprüfung, ob der Keilriemen (das war wahrscheinlich das Teil was die drei meinten) nicht schon zeitgerecht erneuert wurde, führte zu der unchristlichsten Tat, die wir seit langem unternommen hatten. Mit viel Geschick und dem Internet, fälschten wir eine Rechnung, die eine Erneuerung beweisen sollte, riefen die Israelis an, dass wir „etwas“ bei den Fahrzeugpapieren gefunden hätten und blufften weitere Interessenten vor. Die drei bissen sofort an, wollten ein erneutes Treffen, studierten die Rechnung und wollten dann eigentlich noch zu einem Mechaniker gehen, der das ganze überprüfen sollte, das zerschlug sich aber glücklicherweise, da sie sich untereinander uneinig waren und keine Lust hatten dafür selbst zu zahlen. Sie schlugen ein und somit waren die neuen Besitzer unserer Jacqueline, die wirklich in einem Topzustand war (neue Reifen und durchgecheckt). Plötzlich ging alles sehr schnell. In verschiedenen Banken sammelten sich die drei Israelis 4800 Dollar (in 50 und 20 Dollarscheinen) zusammen, die wir auf einmal in der Hand hielten, packten das erste Mal seit langem unsere großen Rucksäcke und sahen unserer Jacqueline dabei zu, wie sie leicht nach vorne gekippt mit den drei Jungs aus Israel davonfuhr. Ein bisschen Schmerz verspürten wir da schon. Hatte die Gute uns doch eine unvergessliche Zeit beschert. Mit extrem vollen Taschen und Rucksäcken wurden wir von Finn abgeholt, buchten uns in einem Hostel ein und ließen es am Abend mit einem deftigen Essen und Bier zusammen mit Finn und Jost so richtig krachen.

Das ging alles schneller als wir uns erhofft hatten. Und so war der Weg frei für knappe drei Wochen reisen ohne Jacqueline. Auch das sollte noch einmal eine unvergessliche Zeit werden.

03Oktober
2014

Von Toni Kroos auf dem Pissoir, Günther Netzer und zwei alten Philippern

Schon um acht Uhr wurden wir aus dem Schlaf geklopft. Wir dachten schon, jetzt gibt es was auf die Mütze von der Polizei, weil auf dem Parkplatz statt fünf erlaubten Fahrzeugen gute 20 standen. Aber es war nur der diensthabende Klopfer. Der Blick aufs Wetter verlieh uns auch nicht gerade Flügel und so trieb uns der Hunger in dieser Früh zu einem Bauernmarkt in Dunedin. Wir ärgerten uns beim Anblick von frischem Gemüse, allerlei Leckereien und vor allem Brot mit Kruste unaufhörlich, dass wir tags zuvor noch einen Großeinkauf gestartet hatten. Immerhin entdeckten wir zwei „Spezialitäten“ aus Neuseeland. Zum einen Whitebait, eine mit Eiern verrührte Maße aus Babyfischen serviert auf Toastbrot (kein Wunder, dass es das noch nicht über die Landesgrenzen geschafft hat) und einen Pie - Lamm, Thymian und Rosmarinfüllung umhüllt von Blätterteig -, der zwar für unsere Verhältnisse teuer war, dafür aber umso leckerer. Nachdem wir einige Scheiben von dem guten Brot im Van verputzt hatten, machten wir aus den restlichen hellen Stunden einen Bibliothekstag und stöberten im Internet, wobei wir zwischendurch eine vor der Tür stattfindende Dudelsackparade belustigt verfolgten.

Zu einer interessanten und lustigen Begegnung kam es am Abend auf dem uns schon bekannten Campingplatz. Auf dem Pissoir kam ich mit Daniel aus Rostock ins Gespräch, der auf unser famoses Knoblauch-Käse-Butter Brot aus dem Backofen aufmerksam geworden war. Wir plauderten mit ihm und seiner Freundin Luisa - die nicht auf dem Pissoir war-, wobei herauskam, dass er ein alter Freund von Toni Kroos ist und zu Jugendzeiten sogar dessen Kapitän bei Hansa Rostock war, selbst allerdings durch diverse Kreuzbandrisse in jungem Alter immer wieder zurückgeworfen wurde. Zu viert zogen wir noch in das Nachtleben von Dunedin. Auf dem Hinweg waren überall Hauspartys, freundlich betrunkene Studenten und viele Glasscherben. Auf dem Heimweg spazierte ein Nackter ganz selbstverständlich die Straße entlang. Verrücktes Dunedin.

Genauso verrückt ging es am nächsten Tag weiter, als wir die steilste Straße der Welt hinauf stapften. Manch einer scheiterte bei dem Versuch mit seinem Auto bis nach oben zu gelangen, immerhin beträgt der Höhengewinn im steilsten Stück einen Meter in knapp drei Metern Strecke. Durch dichten Nebel und uninspirierende, an der Straße gelegene Städte, fuhren wir immer weiter Richtung Christchurch, bis wir am Abend nach einer ewig geraden langen Strecke in schönstem Sonnenlicht uns an einen weiten Strand nahe einer großen Flussmündung stellten. Während unseres kleinen Abendspazierganges löste der Vollmond aus dem Meer emporsteigend die untergehende Sonne ab und wir entzündeten uns ein eigenes wärmendes Feuer.

Am nächsten Morgen war die Luft raus. Als ich aus dem Bett nach draußen kroch, stellte ich mit Entsetzen fest, dass ein hinterer Reifen komplett platt war. Zu unserer großen Freude fanden wir ein vollfunktionstüchtiges Ersatzrad unter dem Auto. Mit dem mühsam zusammengebastelten Werkzeug zum Reifenwechsel machten wir uns daran die Reifen zu tauschen, was sich durch den Untergrund und die nicht ganz eindeutige Gebrauchsweise des Wagenhebers zwei Stunden hinzog. Als wir das Meisterwerk vollbracht hatten, machte sich Jakob zum Angeln auf, während ich mich der nur noch halbseitig funktionierenden Musikanlage annahm. Das eine war erfolgreich, das andere nicht. Zum Abendessen gab es Fisch. Allerdings war das wiederum kein Erfolg, denn auf unserem neu erstandenen Blech stellten sich bloß die Schuppen auf und der Fisch wurde gar nicht wirklich gar. Wir nahmen es mit Humor, so oft war unser Essen auch noch nicht missglückt.

Zu sechst - Jakob hatte in der Früh 4 Kahawais gefangen - ging es nach Christchurch zum billigsten auffindbaren Campingplatz, der direkt am Rugbystadion lag. Wir brachten die an einer Tankstelle auf dem Weg ausgenommenen Fische in Sicherheit, verrichteten einen kurzen Lebensmitteleinkauf und bekamen ganz unverhofft von neben uns abreisenden Österreichern Lebensmittel und einen Grill geschenkt. Freundlichkeiten unter Reisenden! Mit unseren Hastings Bekanntschaften Finn, Jost, Klausi und Leon bereiteten wir drei Kahawais mit 3 Kilo Kartoffeln in einem wenig funktionstüchtigen Ofen zu, was die ganze Küche in einen bestialischen Gestank eintauchte bzw. -rauchte. In dieser gemütlichen Runde, mit den zwei sich dazugesellenden Mädels Rieke und Wanda aus dem Schwabenländle sowie dem etwas in der Scheiße steckende Jan (kein Geld mehr), feierten wir in Jakobs 20. Geburtstag hinein. Eine Feier von der nicht jeder angetan war. Eine grantige Dauercamperoma, die auf der anderen Seite des Campingplatzes residierte, regte sich dermaßen über die angebliche Lautstärke auf, dass es gar nicht mehr ernst zu nehmen war. Unter ständiger Beobachtung der Grantlerin und ihren Androhung die Security zu holen, sangen wir (leise, für manchen doch zu laut) Jakob in sein zweites Lebensjahrzehnt.

Am Jubeltag selbst machten wir uns zu zweit auf, da der Rest arbeitete und ließen Christchurch auf uns wirken. Noch nie waren wir in einer so zerstörten Stadt, denn Christchurch wurde 2011 von einem schweren Erdbeben mit vielen Toten und Verletzten heimgesucht. Die Ausmaße sind heute noch zu sehen. Ganze Gebäudekomplexe sind abgeriegelt und nicht mehr betretbar, manche Viertel gleichen Geistervierteln, abgeriegelt, vermüllt und zerstört, Schiffscontainer versuchen einsturzgefährdete Häuser zu stabilisieren, die Einkaufsmall besteht nur aus Läden in Schiffscontainern und überall wird versucht eine fast schon neue Stadt aufzubauen. Sinnbild der Zerstörung ist die alte anglikanische Kirche, deren Turm komplett eingestürzt ist. Ein bisweilen beelendendes  Gefühl sich vorzustellen, wie machtlos die Menschen in diesen Straßen gewesen sind, während die Erde bebte. Im Canterburry Museum erfuhren wir mehr darüber, aber auch über zeitgenössische Kunst und die Geschichte des Landes, was wir erstaunlicherweise ganz interessant fanden. Die typischen „Museumsbeine“ gab es trotzdem, weshalb wir uns im Botanischen Garten entspannten und abends mit nun wieder größerer Gruppe nach einer Hastings-Dominos-Pizza Revival Tour noch ein wenig durch die Kneipen Christchurchs zogen.

Für die nächste Nacht schliefen wir mitten in der Stadt auf dem Bibliotheksparkplatz, auf dem man praktischerweise umsonst übernachten durfte. Alles was das Herz begehrt war nicht weit, eine öffentliche Toilette und Internet in der Bibliothek. Das brauchten wir um „Organisatorisches“ vom Fleck zu bringen und über die heute-show Etwas vom politischen Geschehen mitzubekommen. Der Parkplatz war kein großer Geheimtipp mehr und mit uns und Finn und Jost standen einige Vans herum, darunter auch „Günther“, ein Mönchengladbacher, den wir schon einmal gesehen hatten und der aussah wie Günther Netzer in jungen Jahren.

Nach stärkendem Frühstück auf dem Dachparkplatz einer Mall beschäftigten wir uns mit nervigen Dingen, denn wir hatten immer noch das Problem, das die Versicherung den Schaden von Jacquelines Busbekanntschaft nicht zahlen wollte. Auf E-Mails wurde nicht reagiert und in Telefonaten wurden wir hin und her geschupst. Weniger nervig war die Begegnung danach. Am Flughafen von Christchurch begrüßten wir „2 OLD Philipper“ (Teil des Schriftzuges zur Begrüßung: „Bavarian Kiwis waiting for 2 OLD Philipper“), die käsweiß waren. Meine Eltern. Nach großem Hallo, einer lustigen Autofahrt zu viert in der Dreisitzerin Jacqueline (ich lag hinten auf dem Boden, neben zwei riesigen Koffern und navigierte die Bagage) und ein paar anfänglichen Erzählungen bei einem Kaffee und Cookies im Hotel, sah man meinen Eltern an, was sie brauchten. Schlaf. Dabei wollten wir sie nicht stören. Außerdem hatten wir noch etwas vor. Wir machten uns auf zu einem Rugbyspiel der Canterbury Crusaders (Gerüchten nach das beste Team der Welt) gegen die Chiefs aus Hamilton. Wir waren richtig heiß drauf mal wieder Stadionatmosphäre zu schnuppern. Nachdem uns unsere Rosenheimer Begleitung Lena gefunden hatte, konnten wir ohne wirkliche Sicherheitskontrolle in das zusammengebastelt wirkende Stadion gehen. Zur Rugby WM 2011 wurde ein neues Stadion gebaut, worin die Crusaders zwei Spiele spielten, ehe es nach dem Erdbeben unbenutzbar wurde. Wir saßen ganz außen, direkt am Spielereingang in der fünften Reihe. Mit spektakulärem Feuer und Rumgewedel von Showgirls rannten die Spieler hinein und fingen mehr oder weniger sofort und total unvermittelt an zu spielen. Wir hatten unsere Probleme die Regeln zu verstehen, die nach unserem Eigenunterricht im Fernsehen ganz andere waren als angenommen. Es war schon mal ein Erlebnis bei einem Rugbyspiel dabei zu sein, bei dem die Schiedsrichter in pinker Kleidung umeinander hupften. Bei dem harten Spiel gab es jedoch keinerlei Fankultur in Form von Gesängen oder Anfeuerungsrufen, was uns ehrlichgesagt doch ein wenig enttäuschte. Am Ende verloren die Crusaders, bei denen viele Spieler der brühmten „All Black“-Nationalmannschaft Neuseelands spielen, mit 11:18 oder so. Ein Erlebnis, das sich gelohnt hat, aber nicht unbedingt nach einer Wiederholung schreit. Den Abend ließen wir in einer Viererrunde, diskutierend über die Fankultur in Deutschland mit den zufällig am gleichen Platz campierenden eingefleischten Rostockfans Daniel und Luisa ausklingen. Freilich wieder unter Beobachtung.

25Sept
2014

Geburtsstunde der Brüer-Bruderschaft mit den drei Fragezeichen - in einer Welle mit Delfinen

Nach einem „Aufwach-Schwimm“, den jedoch die meisten scheuten, fuhren wir als „Augsburger-Land Crew“ über einen kleinen Pass, der unsere Jaqueline ganz schön zum keuchen brachte,  Richtung Queenstown, der bekannten Adrenalinhauptstadt Neuseelands. Auf dem „billigsten“ Campingplatz der Stadt trafen wir ein paar Altbekannte aus Hastings wieder, mit denen es gleich einmal zum Bolzen ging. Und wer gesellte sich wieder aus dem Nichts zu unserer gewachsenen Gruppe? Der Gewürzmann. Unglaublich. Ein wenig groggy und mit leichten Blessuren marschierten wir danach alle gemeinsam in den nächsten Supermarkt, deckten uns mit Lebensmitteln zum Abendessen ein und machten eine Entdeckung, die uns für die nächsten Wochen sehr prägen würde und uns eigentlich immer noch prägt - das einzig wahre Bier Neuseelands (und mit das günstigste)- BRÜER. Diesen Hochgenuss der Braukunst genossen wir am Grill und staunten dabei über die nichtvorhandene Intelligenz von Franzosen. Frisch geduscht - nach langer Zeit mal wieder mit warmem Wasser, zogen wir gemeinsam in die Partynacht Queenstowns.

Der folgende Tag kann durchaus als „Assi“-Tag beschrieben werden. Schon um halb 2 starteten Jakob, Sebi und ich einen Brüermarathon. Einfach nur in der Sonne sitzend mit einem kühlen Bierchen vergingen die Stunden bei den trockenen Kommentaren von Sebi und mit dem sich dazugesellenden Gewürzmann, der den ganzen Nachmittag lang aß, wie im Flug, wobei wir gar nicht merkten wie „golden“ schon der Tisch war. Am Abend stand dann eine Legende auf dem Programm: der Fergburger. Nachdem wir eine halbe Stunde anstanden, um uns eines dieser Prachtexemplare zu bestellen, ließen wir es uns an der Promenade in der Sonne richtig schmecken. Nebenbei stellten wir fest, dass Queenstown die einzige Stadt in Neuseeland war, in der sich ein wenig abendliches Leben abspielte, was wir in der tief stehenden Sonne genossen.

Der nächste Morgen brachte einen Abschied auf Zeit (wie lange lässt sich nicht sagen) mit sich. Philipp, unser Gewürzmann aus dem Nichts, verfolgte eine andere Route als die unsere und düste auf seinem Motorrad davon. Leider war zu der Zeit noch keiner wach von uns. Nur noch zu viert machten wir uns zu einem idyllisch, am Lake Moke und von grün bewachsenen und steinigen Bergen umgebenen Campingplatz auf. Mit Badehose, Wanderschuhen und einem Brüer ausgestattet, kraxelten wir den ziemlich steilen Berg vor unserm Platz hinauf, um oben die Aussicht auf das Tal mit See bei einem geschüttelten Bier oberkörperfrei zu genießen. Unten angekommen erfuhren wir, dass uns der halbe Campingplatz bei unserem bisschen verrückten Unternehmen beobachtet hatte. Ganz elektrisiert von den „vielen“ Zuschauern verschafften wir uns eine Abkühlung im kalten Nass, wurden von Lena und Antonin überrascht, spielten mit den beiden noch Rugby oder tauschten Fotos aus und aßen noch bei Tageslicht, was unserem angehenden Lehrer und Wildscheißer Sebastian sehr wichtig war.

Während die beiden Jungs und das deutsch-französische Pärchen am nächsten Tag ihre Sachen packten, verweilten wir noch einen Tag länger, an dem wir unsere weitere Reiseroute überlegten, angelten, joggten und chillten mit kurzem Intermezzo von einer vorbeirennenden Horde ausgebüxter Pferde und einem eher lange andauernden und nicht mehr als Intermezzo zu bezeichnenden Dauergeschrei von Lämmern, die beim Hinabtreiben ins Tal ihre Mütter aus den Augen verloren hatten, welche sie nun mit unglaublichen Gemähe suchten.

Unsere vortägliche Routenplanung führte uns weg vom lieblichen Lake Moke und hin zu den Catlins. Die Autofahrt durch strömenden Regen in den tiefsten Süden Neuseelands versüßten wir uns mit den drei Fragezeichen. Voller Spannung erreichten wir dabei Invercargill, jedoch weniger wegen dem Ort, der todeslangweilig war. Immerhin trafen wir dort Andi und Sebi wieder, mit denen wir dann gemeinsam über kleine Sträßchen zum südlichsten Punkt des neuseeländischen Festlandes fuhren, von welchem es nur noch 4803 Kilometer zum Südpol und 5140 Kilometer zum Äquator sind. Diese raue Küstenlandschaft hatte wieder einen komplett anderen Charakter als die Landschaften, die wir bisher gesehen hatten. Nach einem kurzen „Alibi-Trainingsprogramm“ vom Sebi, das daraus bestand, dass er den friedlich grasenden Schafen hinterherrannte, steuerten wir einen uns unabhängig voneinander empfohlenen Campingplatz an. Eine Empfehlung, die sich wirklich lohnte. Wir kamen warm eingepackt, es hatte um die zehn Grad an, buchten für eine Nacht und bekamen sofort die kleine Aufruhr unten am Strand mit. Wir brauchten ein wenig, um zu realisieren was da unten abging, aber als wir verstanden hatten, dass in der Curio Bay Delfine ganz nah am Strand schwammen, waren wir so schnell in der Badehose, wie wir es wohl nie wieder in unserem Leben bei so eisigem Wetter sein werden. Wagemutig und natürlich mit dem nötigen Respekt schwangen wir uns so schnell wir konnten - das war nicht gerade schnell bei den noch kälteren Wassertemperaturen - nach einem aufwärmenden Sandsprint in die Fluten und versuchten uns den Delfinen anzunähern. Das war nicht so wie man es sich aus Filmen vorstellt, mit Delfinen in greifbarer Nähe herumtollen zu können. Die Begegnung fand aber auch in der freien Natur und war in keinem Fall eine künstliche erzeugt Situation. Mit einem ein paar Meter entfernten Delfin in einer Welle zu schwimmen, während dieser aus der Welle herausspringt, war ein sehr schönes und unvergessliches, wenn auch frostiges Erlebnis. Blöderweise hatten die Wellen in der Zwischenzeit unsere am Strand zurückgelassenen Klamotten und Handtücher erwischt, weshalb wir ziemlich ausgekühlt uns nach einer wärmenden Dusche und Klamotten sehnten. Leider wurde aus ersterem nichts, weshalb wir nur warm eingemümmelt zum nächsten Schauplatz liefen. Denn um halb neun kündigten sich die seltenen Gelbaugenpinguine in der Bucht zur anderen Seite des Campingplatzes an. Wir hatten das Glück, zwei mutige Exemplare lange Zeit aus nächster Nähe bestaunen zu dürfen, wie sie manchmal ein wenig unbeholfen wirkend voran hüpften bzw. watschelten. Ein lustiges und einmaliges Spektakel. Ausgehungert und –gekühlt kochten wir uns etwas Warmes, verschlagen das in einer Hütte sitzend, während es sich so richtig einregnete. An einem Tag mit Delfinen schwimmen und Pinguine bestaunen, ohne auch nur irgendwo „Zoo“ gelesen zu haben.

Auch zu dem Zeitpunkt, an dem die Sonne eigentlich wieder aufgehen sollte, war von selbiger nichts zu sehen und es schüttete aus Kübeln. Wir fuhren nach Dunedin, einer schottisch angehauchten Studentenstadt mit teils unglaublich steilen Straßen und DER steilsten Straße der Welt. Ganz Dunedin war komplett ausgebucht, weshalb wir uns mit einem 20 Dollar p.P. Platz arrangieren mussten, woran auch unser Charme und Verhandlungsgeschick nichts änderte. Zumindest gab es eine Waschmaschine und einen Trockner, aus dem auch nach dem dritten Mal trocknen die Klamotten teils noch klamm herauskamen. Der Rest wurde einfach am Kamin getrocknet. Wir stärkten uns bei einem wahnsinnig leckeren Nudelauflauf und ließen den Abend im Gang zum Klo ausklingen, was genauso gemütlich war wie es klingt.

Wir hatten schon wieder genug von der Stadt und „flüchteten“ auf die Dunedin vorgelagerte Otago Peninsula, um bei einem letzten Ausflug mit Andi und Sebi die dort lebenden königlichen Albatrosse zu sehen. Daraus wurde aber nichts. Nach einer kurvigen und einem ewig vorkommenden Fahrt auf einer kleinen Straße entlang des Meeres, empfing uns am Ende der Halbinsel ein hoher Zaun aus Maschendraht. Die 40 Dollar um einen Blick auf die abgeschirmten Albatrosse zu werfen, waren es uns im Gegensatz zu der Queen und Prinz Charles, die dort auch schon ihren Besuch abgegeben hatten, nicht wert, wobei die Vermutung nahe liegt, dass die zwei Hallodris nichts zahlen mussten. Winken können wir auch. Zwar versuchten wir irgendein Schlupfloch entlang des Zauns zu finden, jedoch vergeblich. Wir begnügten uns damit einen Albatros von unten zu sehen und stempelten die königlichen Flieger einfach als große Möwen ab. Auf dieser Suche begegneten wir aber ganz anderen Tieren, nämlich Robben. Zuerst bemerkten wir die Faulenzer gar nicht, wie sie auf den Steinen am Wasser sich räkelten, dann aber hatten wir unseren Spaß mit den zu Land so behäbig und zu Wasser so elegant wirkenden Tieren, mit denen wir uns gut identifizieren konnten.

Die Zeit der Neuseeland-Brüer-Brüderschaft fand an diesem Ort ihr Ende. Wir verabschiedeten uns von den beiden mit denen wir echt schöne und lustige Momente teilen durften, aber nicht ohne eine Wiedersehen in Deutschland auszumachen. Zu zweit erkundeten wir den entlegenen Teil der Halbinsel, hin zum offenen Meer. Dort war so gut wie nichts los, alles sehr ursprünglich und so, wie man sich Neuseeland vorstellt. Weite grüne Hügel, mitreißender Wind und vor einer Steilküste stehende und zerzaust aussehende Schafe, die grasend mit dem tiefblauen Meer im Hintergrund als einzige die Landschaft „bewohnen“. Ein rau windiges Idyll, das wir bei einem Spaziergang uns um die Nase blasen ließen. Schon von dort oben machten wir einen Strand aus, zu dem wir noch unbedingt hinwollten. Nur ein bis zwei Kilometer Luftlinie entfernt fanden wir uns an diesem wunderbaren weiten Sandstrand wieder. Eben noch auf hoch oben umgeben von grünem Gras und Schafen und jetzt unten am Meer umgeben von weißem Sand und Seelöwen (auch wenn wir die nicht gesehen haben, die lagen dort bestimmt irgendwo rum). Begeistert von diesen Naturhighlights und von einem kostenlosen Campingplatz an der Straße mit Blick auf das leuchtende Dunedin endete auch dieser Tag. Wieder einmal ein Tag voller einmaliger Erlebnisse. Ein Tag in Neuseeland eben.

23Juli
2014

Franz Josef, der TSV Dinkelscherben und eine französische Bergziege

Am Morgen waren die nächtlichen Regenwolken vertrieben, wir starteten zeitlos und bei strahlendem Sonnenschein in den Tag und machten uns Gedanken über unser nächstes Ziel. Zum Franz Josef wollten wir. Über einen Motorway, der teilweise einfach nur eine Schotterpiste durch den Regenwald war und durch ein übertouristisches Dorf, kamen wir unserem Franzl immer näher. Die letzten Meter zum Franz Josef waren zu Fuß durch den Regenwald zu bewältigen, ehe wir in einem Tal voller Steinschutt ihm uns gegenübersahen. Massiv, beeindruckend, eiskalt und schon um einiges geschmolzen. Der Franz Josef Gletscher, benannt von einem österreichischen Forscher zu Ehren seines Kaisers. Weil der Franz Josef durchaus gefährlich werden kann, durfte man sich ihm gar nicht so arg nähern und blieb so vor angehäuften Steinansammlungen stehen, von wo aus man in der Ferne das dreckige Eis sehen konnte und in weiterer hohen Ferne die massiven Eisbrocken. Wir schauten uns das ganze eine Weile unter ständigem Hubschraubergekreise an und hatten uns eigentlich mehr erhofft. Zumindest das Zusammenspiel und die räumliche Nähe von Gletscher, Regenwald und Meer war eine beeindruckende Vorstellung.

Weil es in dem obertouristischen „Franz Josef Town“ keine bezahlbare Unterkunft gab, suchten wir uns auf dem 13 Kilometer zurückliegenden DOC Campsite einen Stellplatz, machten es uns gerade draußen gemütlich, als uns der Regen nach drinnen vertrieb. Doch wir sollten nicht lange in Zweisamkeit bleiben, denn er war wieder da. Philipp, der Gewürzmann, entkam gerade so dem schlimmsten Regen und machte es sich vorne in unserem Führerhäuschen mit einem kleinen Snack bequem. Während wir so miteinander plauderten, stockte ich plötzlich und traute meinen eigenen Augen nicht. Huschte da draußen nicht ein klitzekleines Stück Heimat umher? Rannte da nicht ein Typ rum mit einer blauen Trainingsjacke? Mit einer Trainingsjacke vom TSV Dinkelscherben? Noch ein wenig von Zweifeln genährt, sprachen wir ihn an und tatsächlich, der gute Andi kam aus Steinekirch bei Dinkelscherben. Mit dabei sein ebenfalls aus dem Raum Dinkelscherben stammender Cousin Sebi. Unglaublich zwei Menschen am anderen Ende der Welt, über 18 000km entfernt von zu Hause auf einem kleinen popeligen Campingplatz mitten in der Natur zu treffen, die in der Heimat nicht einmal 20km weit weg wohnen. Die Welt ist klein. Nach diesem lustigen Hallo setzten wir uns alle zusammen und kochten an einem großen Tische, gemeinsam mit einem deutsch-französischem Paar und zwei weiteren deutsche Mädels, erlebten einen lustig geselligen Abend  und auch der Wettergott war mit uns.

 

Der bevorstehende Tag sollte ein besonderer werden. Nachdem wir bei strahlendem und fast wolkenlosen Himmel (extrem selten an der Westküste) aufgewacht waren, mussten wir uns ein wenig sputen, um den 30 Kilometer entfernten zweiten großen Gletscher der Westküste, den Fox Glacier, zu erreichen. Denn dort hatte der wagemutige Jakob einen Skydive gebucht, wobei zufälligerweise zwei aus der vortäglich abendlichen Runde, der Sebi und der deutsche Teil des deutsch-französischen Pärchens, die Lena aus Rosenheim, genau zur gleichen Zeit ihr freie Fall bevorstand. Die drei Adrenalinjunkies stiegen also gemeinsam in ein klapprig wirkendes kleines Propellerflugzeug und erhoben sich, gestartet von einer huggeligen Graspiste, in die Lüfte.

Zurück ließen sie ihre besseren Hälften, Andi, Antoine und mich. Doch wir blieben keinesfalls tatenlos. Auch uns zog es in die Höhe, allerdings zu Fuß. Nachdem wir eine Weile im Auto des Franzosen, in dem unglaublich viel Kruscht rumlag, auf der Suche nach dem Einstieg umhergeirrt waren, nahmen wir die Empfehlung „Für erfahrene und gut ausgestattete Bergsteiger“ nicht sonderlich beim Wort und stapften durch dichten, dunklen und nassen Regenwald los. Ein unglaublich anstrengendes Unterfangen sich an den nassen Wurzeln, teils fast senkrechte Abschnitte hochzuziehen. Vor allem ich bekam die Anstrengung und meine vergangene Sportabstinenz zu spüren, als mich die beiden abhängten und ich mich allein durch den Wald kämpfte, durch den fast kein Tageslicht fiel und man so auch kein Ziel vor Augen sehen konnte, wie lange man denn noch in dem blickdichten Wald „gefangen“ sein würde. Doch alle Qual hat mal ein Ende und meistens wird man danach belohnt. Zwar mussten wir auf kleinen überwucherten Trampelpfaden, die voller Matsch waren, unseren Weg finden, inzwischen wieder als Augsburger Land Gespann - die französische Bergziege war uneinholbar vorausgesprungen - dafür wurden wir Augsburger mit einem fantastischen Blick belohnt. Gegenüber, dazwischen lag ein kleines Tal, erstreckte sich auf unserer Höhe der Fox Glacier, den wir in seinem ganzen Lauf bewundern konnten, eingerahmt von schneebedeckten hohen Bergketten. Und als wäre das nicht schön genug, musste man sich nur um 180° drehen, seine Augen über den Regenwald und den Flussverlauf schweifen lassen, um dann nicht weit entfernt die tasmanische See bewundern zu können. Ein unglaublich schönes Szenario, das sich uns da an diesem sonnigen Tag bot, ob von ganz oben oder von geringerer Höhe. Ich setzte meine Wanderung zum endgültigen Tagesziel, dem Gipfel des Fox Mountains fort. Bei einer Stärkung mit diesem atemberaubenden Ausblick präsentierten sich nun auch die zwei höchsten Berge Neuseelands, der Mount Cook und Mount Tasman (beide 4000er), und es kreisten Keas mit Geschrei um uns, eine Bergpapageienart mit beeindruckendem farbenfrohem Gefieder. Wir genossen den Moment und machten uns zu zweit an den mühsamen Abstieg. Kurz vor dem Ende holte uns die französische Bergziege Antoine wieder ein, die querfeldein ein paar mehr Kilometer zurückgelegt hatte und nun ziemlich abgerackert und durstig wirkte. Mit dem schönen Gefühl etwas geschafft zu haben und wunderbare Momente zu haben, trafen wir uns mit den Gefallenen am Mirror Lake, einem berühmten See, in dem sich zu bestimmten Tageszeiten und bei gutem Wetter die Bergketten spiegeln. Die drei erzählten ihrerseits ganz erfüllt davon, dass es durchaus Überwindung kostet sich von der Flugzeugkante gleiten zu lassen, es dann aber ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit war, eine halbe Minute dem Erdboden zuzurasen und den Blick von ganz oben zu genießen. Vollkommen darüber bewusst, was wir alle für ein Glück mit dem Wetter hatten, fuhren wir ein 13 Kilometerweilchen über eine Schotterpiste im Dschungel zu einem kostenlosem Campingplatz am Strand. Absolut fantastisch und ziemlich einmalig, wenn du am Strand liegst und im Hintergrund sich die schneebedeckten Berge mit Gletscher erheben. Bei starkem Wellengang waren unsere Badeversuche am Steinstrand eher nicht so entspannend, nass wurden wir aber trotzdem einigermaßen, was als Dusche reichen musste. Wir genossen gemeinsam - der Gewürzmann war auch wieder aus dem Nichts aufgetaucht - nach dem Essen die letzten Sonnenstrahlen, die die Welt in ein wunderschönes rotes Licht tauchten und mit der Gischt in der Luft und dem Wahnsinnsausblick im Hintergrund den Abend zu einem ganz besonderen machten, der seinen abrundenden Höhepunkt mit einem gemeinsamen Lagerfeuer am Strand mit sich Dazugesellenden aus aller Welt unter Gitarrenklängen und dem Sternenhimmel fand. Ein Tag wie aus dem Bilderbuch.

 

Schleimig begann unser nächster Morgen. Wir waren nicht etwa krank geworden, nein, vielmehr legte Sebi uns seine Leibspeise Haferschleim zu Herzen. Wir ließen den Abend noch einmal mit Andi, Sebi, Lena, Antoine und Philipp Revue passieren, wobei letzterer so schnell wieder weg war wie er tags zuvor aufgetaucht war. Wir hatten ihn einfach vergessen. Aber der auch Schleicher genannte Philipp bestätigte wieder einmal sich selbst, als er uns alle an der nächsten Tankstelle wieder aufgabelte, während wir gerade damit beschäftigt waren Jacqueline mit dringend benötigtem Öl an einer npd-Tankstelle zu speisen. Ist wohl eher eine Rechte. (weiteres Indiz: das Steuer auf der rechten Seite) Im Konvoi fuhr die „kleine Familie“ die Westküste immer am Meer entlang, Philipp erinnerte phasenweise und vorausfahrend an einen Pizzaboten mit seinem roten Köfferchen hinten drauf. Nachdem der letzte fulminante Meeresausblick genossen war, sollte das für längere Zeit ausreichen, denn nun ging es durch weite und enge Täler ins bergige Landesinnere. Und auch hier hielten immer wieder drei Autos und ein Motorrad an, um die manchmal surreal wirkende Landschaft mit den glatt daliegenden Seen und kaum bewachsenen und zum irdischen Glück nicht bebauten Bergen wahrzunehmen, sie zu fotografieren und sich gegenseitig beim fotografieren zu fotografieren. Orte, an denen uns allen gemeinsam klar wurde, warum Neuseeland oft Schauplatz von Filmen wird. Allen gemeinsam, außer Philipp, den hatten wir wieder verloren.

Die Trennung sollte jedoch erneut nicht lange anhalten. Nach einem Einkauf im belebten Wanaka, suchten wir uns auf Empfehlung einen weitläufigen Campingplatz in einem Vorort direkt an einem Fluss aus. Und wie es der Gewürzmann auch immer geschafft hat, er tauchte genau zu dem Zeitpunkt auf, als zwei von uns beim bezahlen an der Straße standen. Glücklich wiedervereint und hungrig schaufelten wir was das Zeug hielt und genossen den Abend als „kleine Familie“.

02Juni
2014

Vom besten Stück des Asiaten, einem Pfannkuchentag und dem Gewürzmann

Mit getankter Kraft steuerten wir am nächsten Morgen zu viert, jedoch in getrennten Autos, die von Bergen umgebenen Nelson Lakes an. Eine wahre Wohlfühl- und Abspannoase, in der man pure Einsamkeit, lediglich in Gesellschaft von Berg und See, erwartet. Pustekuchen. Genau zu dem Zeitpunkt, zu dem wir am See hielten, machte auch ein großer „KiwiExperience“ Bus Anstalten dort zu rasten. Ein ganzer Schwarm partysuchender Jünglinge aus England, dieses Klischee haftet den „Kiwiexperiencelern“ an (ein Busunternehmen, das in ganz Neuseeland die Städte ansteuert), bekam genau dort halbstündigen Auslauf, wobei sie sich auf ein paar Fotos und dem ein oder anderen Wasserannäherungsversuch beschränkten. Lustig und bestätigend für uns zu beobachten, die richtige Wahl mit einem eigenen Van getroffen zu haben und das Land auf eigene Faust wesentlich intensiver bereisen zu können. Nach den 30 Minuten frische Luft schnuppern überließen uns die Traveller den See (ein paar andere waren schon noch da). Jakob, Gerda und Andreas schnappten sich ihr Angelequipment und tigerten zu Land und Wasser los. So viel sei vorweggenommen, trotz verdreifachtem Routenauswurf gab es keinen Fisch zum Abendessen. Schon in einer leisen Vorahnung genoss ich den mir sich bietenden Ausblick auf den klaren See, an dessen Ende die auslaufenden Bergrücken - von beiden Seiten aufeinander zulaufend - versetzt verschwanden. Am rechten und linken Rand des Sees begrenzten hohe Bergketten den See, der zudem ein ziemlich einzigartiges Merkmal hat, denn in der Mitte des Sees treffen zwei Kontinentalplatten aufeinander. Der schöne natürliche See, in dem sich eher widerliche unter Schutz stehende und über einen Meter große Aale tummelten, war arschkalt, aber mit seinem malerischen Steg zu einladend, um darauf zu verzichten hineinzuspringen. Weil wir uns von diesem schönen Blick nicht losreisen konnten, kochten wir an diesem Platz, ehe wir zwei zu unserem einfacheren Campingplatz begaben, an dem sich uns ein unglaublicher Sternenhimmel bot. Solch stark funkelnde Sterne waren selbst für uns astroverwöhnte Reisende einmalig.

 

Der nächste Morgen startete für mich mit einem „Krankentransport“. Im Liegen und im Halbschlaf wurde ich um halb acht von Jakob zum Campingplatz seiner Eltern gefahren. Und auch der erwartete Guide kam bald. Es bestand aber kein Grund zur Panik, ich war nicht krank, sondern einfach nur zu faul aufzustehen. Der Guide war ein Angelguide, den sich die Familie Florian für einen Tag gegönnt hatte. Zu viert stapften die Bagage los, während ich, nicht so vom Angelfieber infiziert, ganz bequem liegen bleiben konnte, mit einem von der AZ verbliebenden Sudoku ganz entspannt in den Tag startete, mich mit einer kleinen Wanderung auf Umwegen in die „Stadt“ machte, die auch irgendwo in den Alpen hätte liegen können, und machte mich in Ruhe daran ein wenig in der Jacqueline aufzuräumen, wobei zweit Mülltüten entsorgt wurden. Im luxuriösen Keacamper sitzend, in dem man vor den nervigen Sandflies sicher war, schrieb ich vor mich hin und lauschte einem kleinen Kind, das lautstark am Ufer Dudelsack spielte, was eine heimatliche Stimmung in mir hervorrief. Vielleicht von diesen Klängen angelockt, kamen auch die vier Fliegenfischer zurück, wobei sie eigentlich zu fünft zurückkamen, obwohl der fünfte Kollege einen eher unlebendigen Eindruck machte. Größtenteils begeistert erzählten sie bei Kartoffeln, Salat und frischer Forelle, für Jakob gab es frische Nudeln, von den Tipps des neuseeländischen Guides, von den unterschiedlichen Flüssen in denen sie angeln durften, von der beeindruckenden und von dem Anglerglück, das sie ganz zum Schluss eingeholt hatte und Jakob eine etwas kleinere Forelle aus dem Wasser ziehen ließ, die wieder schwimmen durfte, als die von Andreas gefangene auf unserem Teller liegende und auf dem campereigenen Grill gebratene. Und Schwupps war ein nächster erfüllender Tag vergangen.

 

Es sollte der letzte gemeinsame Tag mit Gerda und Andreas gewesen sein. Der zwischenzeitliche Bavarian Kiwis Nachwuchs verabschiedete sich in Richtung Kaikoura, während wir noch einen Tag dranhängten. Diesen gestalteten wir mit einem wunderbaren Rundwanderweg auf dem Mount Robert, auf dem sich immer wieder fantastische Blicke auf den See und die klar zu sehenden Berge boten. Nebenbei befanden wir uns das erste Mal in unserem Leben auf der australischen Kontinentalplatte und der Wanderweg konnte wirklich mal als Wanderweg bezeichnet werden, ein nicht ausgebauter Trampelpfad. Nach einer kurzen Begegnung mit Altöttingern gab es ein Überraschungsbier mit stärkender Brotzeit in schöner Landschaft. Was uns bei der ganzen Wanderung jedoch zum wiederholten Mal auffiel, war die komplette Abstinenz von jeglichen Tieren sowie die Bewirtschaftung von Hütten. Während in unseren Alpen zumindest weidendes Vieh zu sehen ist und man meist eine Wurst- und/oder Käseplatte bestellen kann, fand man dort weder Tier noch jegliche tierische Produkte. Nach einer Erfrischung im See, die ihre Bezeichnung redlich verdient, kochten wir unseren Klassiker, von den Sandflies in die Küchenhütte vertrieben, vegetarisch und stärkten die deutsch-französische Freundschaft.

 

Am nächsten Morgen starteten wir mit dem Ziel, die als sehr verregnet, aber wunderbar abwechslungsreich bekannte Westküste zu erreichen. Über kurvige Straßen durch große Wälder und entlang eines Flusses führende Straßen erreichten wir Westport, wo es uns bei den herrschenden Benzinpreisen erst einmal die Sprache verschlug und es uns die eigentlich angedachte Tour Richtung Karamea auf einer Stichstraße mit 200 Kilometern nicht wert war. Ohne die dort stehenden natürlichen Steinarkaden gesehen zu haben tuckerten wir mit weiterhin knäpplichen Tank entlang der Küste Richtung Süden. Höhepunkt unseres Roadtrips war dabei der Zwischenstopp an den beeindruckenden Pancake Rocks, ein wie gestapelte Pfannkuchen aussehendes Höhlen- und Karstssystem, in das die Wellen reinpeitschen. Wir hatten das Glück, bei zwar bedecktem Wetter, aber ohne Nass von oben, das ganze bei Flut zu bewundern. Wobei ein wenig nass war es schon, vor allem für die exzentrischen Fotobewunderer, die auf einer Brücke stehend ein paar Motive suchten und dabei von den mit einem Grummeln angesagten Wasserspritzern überrascht wurden. Schadenfreudig wie wir veranlagt sind, beobachteten wir das ganze Geschehen eine Weile lang und konnten uns immer wieder köstlich über die nass gewordenen Touristen freuen. Eine stark vertretene Untergruppe derer waren die Japaner, übrigens viel mehr auf der Südinsel zu finden als im Noden. Hatte einer aus der Gruppe etwas Neues oder auch nur marginal Neues entdeckt, sprangen alle mit einem „Ohhh…“ auf diese Seite, holten ihre Kamera heraus und das Geklicke ging los. Ein paar Meter weiter ging es dann mit einem „Ahhh…“ auf der anderen Seite weiter, gefolgt vom Herzeigen des asiatischen Mannes besten Stück, seiner Kamera. Belustigt von den Leuten und fasziniert von der Formkraft der Natur, wobei auch die unerwartet aufkommenden Geräusche aus dem Untergrund beeindruckend waren, setzten wir uns wieder in unsere Jacqueline und fuhren nach Greymouth. Unterwegs begegneten wir wieder einer komplett anderen Vegetation, in die sich plötzlich Unmengen an kleiner Palmen eingeschlichen hatten, unserem ersten „Achtung Pinguin“ Schild und entgingen knapp einem Frontalcrash. Noch heile und mit ziemlich wenig Kraftstoff, füllten wir sowohl diesen nach als auch unsere Essensvorräte, wobei uns zufällig Hannah und Tamara aus Hastings auf die Schulter klopften, wir uns überschwänglich begrüßten und die beiden auch noch zufällig, so viele Zufälle, im gleichen Hostel waren wie wir. Dort suchtelten wir ein wenig, sprich wir hingen im Internet ab, weswegen wir ganz vergaßen zu kochen, obwohl wir fast nichts gegessen hatten tagsüber. Um Punkt 23 Uhr konnten wir dann endlich richtig zuschlagen. Und wie sollte es anders sein, natürlich gab es Pfannkuchen.

 

Weil uns ein eigentlich gut klingendes weiteres Hostel im Ort mit Fahrrad und Kajakverleih so überhaupt nicht ansprach, hielt uns nichts länger in Greymouth (dt: Gräimaus) und es ging wieder südwärts. Wir hielten erst an einer Glühwürmchenhöhle, versprachen uns davon eine kleine Attraktion am Straßenrande. Das war es nicht. Ein kompletter Flop. Keine Höhle und keine Glühwürmchen. Wir nahmen es mit Humor, setzten unser Fahrt fort und wurden am Manihapua Lake auf der Suche nach einem Stellplatz fündig. Dabei spielte Jakob, gerade erst vom Angeln zurückgekommen, meinen kurzzeitigen Retter, denn ich war im Auto bei offener Türe eingeschlafen, als ein Bienenschwarm plötzlich Kurs auf die Jacqueline nahm. Unversehrt kickten wir auf dem riesigen Areal, warfen den Rugby ein wenig und dantelten. Und dann kam sein erster Auftritt. Bisher bekannt als der fußballvermissende Unterhachinger. Wie aus dem Nichts tauchte er mit seinem kleinen Zelt auf, spielte mit uns mit, setzte sich mit uns an den Essenstisch und versorgte uns mit feinen Gewürzen, abgefüllt in leere kleine Duschgelfläschchen aus einem Hotel. Der Gewürzmann hatte das erste Mal zugeschlagen.

09April
2014

Von einem Poporutscherhund, zwei Sockenmuscheldiebe, zweiundzwanzig Buxen und der Nackteinlage eines Glatzköpfigen

Wenn sich ein Kapitel schließt, öffnet sich ein neues. Für uns das Südinselkapitel, das darauf wartete mit den ersten Seiten beschrieben zu werden. Auf Deck des Schiffes genossen wir den Blick, der sich uns mitten in der Nacht vom hell erleuchteten Wellington bot. Die eher inhumane Abfahrtszeit ließ uns weitestgehend wach bleiben und so bewunderten wir in den Morgenstunden wieder auf dem Deck stehend die Einfahrt durch den Queen Charlotte Sound, die wahrlich majestätisch war, im Morgengrauen über das glatt daliegende Wasser zu schippern, sowohl rechts als auch links nur unberührte Natur zu sehen und dabei auch noch von schon quicklebendig herumspringenden Delfinen begleitet zu werden. Vollkommen müde schlängelten wir uns die ziemlich schmale Straße von Picton weg, hin nach Havelock, auf der sich immer wieder atemberaubende Ausblicke boten, die wir aber nur im Vorbeifahren bewunderten. In Havelock stellten wir uns auf den erstbesten Parkplatz und schliefen erst einmal fünf Stunden durch, bis es in der dermaßen erhitzten Jacqueline nicht mehr auszuhalten war. Von der kostenlosen Dusche zu neuen Lebensgeist erweckt trafen wir die zwei Augsburger Mädels wieder, die dort in einem Hostel wwooften. Trotz den eher nicht inspirierenden Südinselgeschichten, die beiden hatten einen Monat lang jeden Tag Regen und in ihr Auto wurde eingebrochen, fuhren wir los, die Natur der so hochgelobten Südinsel zu erkunden. Uns verschlug es zuerst in die Malborough Sounds, wo wir wieder auf einer kleinen Straße einen wunderschön über die Wasserarme und Landzungen gespannten Regenbogen bestaunten, unser Ziel in einem kleinen Campingplatz direkt am Meer fanden und uns schon um zehn Uhr zum Schlafen zurückzogen.

 

Während Jakob an unserem ersten vollen Südinseltag seine neueste Errungenschaft, ein Belly Boat zum Fischen (vorzeitig mitgebrachtes Geburtstaggeschenk von seinen Eltern), ausprobierte und sich das ganze als eine relativ wackelige Angelegenheit auf dem Meer herausstellte, erholte ich mich von meinen 14 Stunden Schlaf mit lesen, schreiben und chillen, abgerundet von andauernd vorhandenen frechen Vögeln und einem unserem Topf geschuldeten rostig anmutenden Abendessen.

Schon wesentlich ereignisreicher und verboten gut gestaltete sich unser nächster Tag in den Sounds, die man sich wie eine sanfte Fjordlandschaft vorstellen kann. Über Mittag blieben wir an der schön daliegenden Sandy Bay mit Schwimminsel hängen und wurden uns auf Holzstühlen, die Sonne anbetend erneut dessen bewusst, was wir doch zur Zeit für ein Leben führen, während wir gleichzeitig unglaublich lustige Hunde beobachteten. Da gab es den Kajakfahrenden auf der äußersten Spitze stehenden Hund und der Poporutscher, der sich sandabwärts hin zum Wasser seinen Arsch hinter sich herziehend voranbewegte und ein belustigendes Bild abgab. Als es sich „ausgechillt“ hatte, fuhren wir eine einsame einspurige Schotterpiste, eine Art Pass hinauf, den unsere gute alte Jacqueline nur im ersten Gang packte, aber das ganz lässig ohne jede Kotzerei. Angekommen am nächsten Sound in vollkommener Einsamkeit übermannte uns die Lust nach Muscheln, die überall in den Sounds in den Muschelfarmen gedeihen. Kurzerhand stoppten wir, packten die Taucherbrille ein, steckten uns Socken ein und sprangen ins Wasser. Abwechselnd klammerte sich einer an die Bojen, hielt die Plastiktüte auf und hielt Ausschau, während der andere „Bösewicht“ die Schnüre voll von „green lipped mussles“ abtauchte und die ein oder andere mit den durch die Socken geschützten Hände abdrehte. Voller Elan von unserer nicht ganz koscheren Aktion, akzeptierten wir auch den nicht am Meer gelegenen Campingplatz, wenn auch etwas missmutig und mit Wald- und Wiesen- statt Meeresgeruch. Wir genossen die Sonne und machten uns einen schönen Abend am (verbotenen) halboffenen Feuer, auf dem wir die Muscheln mit selbst gemachter Soße samt frisch gepflückten Kräutern zum Brutzeln brachten. Mein Appetit auf Muscheln sank jedoch irgendwie, weshalb Jakob Muscheln satt essen konnte und wir uns anschließend die Füße vom Feuer wärmen ließen und gleichzeitig zurückgelehnt mit Bier in der Hand den beeindruckenden Sternenhimmel bewunderten.

 

Die klitzekleine Sehnsucht nach Meer bei strahlend schönem Wetter trieb uns am kommenden Tag vom Wald weg über die einspurige Schotterpassstraße zurück zur Sandy Bay, in der es zwar windiger war, aber trotzdem sehr einladend für eine kurze Erfrischung und ein Sonnenbad. Danach stand ein Stückchen Autofahren an, denn wir hatten uns für spätnachmittags mit Jakobs Eltern an einem Campingplatz an der Pelorus Bridge verabredet. Auf dem wunderbar an einem tiefblauen Fluss gelegenen Campingplatz warteten nicht nur Gerda und Andreas auf uns, sondern auch Steaks und Kartoffelsalat! Vollgegessen ließen wir zu viert in schöner Abendstimmung im sehr klaren Fluss Steine flippen und den Abend bei einem letzten Bierchen im großen Camper ausklingen.

Der nächste Tag war unschön verregnet, weshalb unter anderem der Vater-Sohn Angelausflug nicht stattfand und wir uns stattdessen zu zweit Richtung Nelson aufmachten, wo wir uns in einem netten Hostel niederließen und uns dort via Internet auf den neuesten Stand brachten.

Zu einer Reise gehören auch lästige Dinge. Eines davon ist das unumgängliche und oft aufgeschobene Waschen. Das stand am nächsten Tage an (erst das vierte Mal auf der Reise), wofür wir extra ein Stück weit fuhren, um unsere Unterhosen endlich einmal heiß waschen zu können. Daraus wurde nichts und wir machten uns nach einem normal „kalten“ Waschgang wieder auf ins Hostel, wo wir den Rest wuschen und uns die Trocknerkosten sparten, was draußen das lustige Bild von 22 hintereinander aufgehängten Buxen ergab. Nach einer stärkenden selbstgemachten Pizza ging es früher oder auch später ins Bett.

 

Tags drauf spielten wir Taxi. Die zwei Augsburger Mädels mussten ihren „Schnurri“ reparieren lassen, denn mit kaputtem Radiator ließ es sich nicht mehr so gut fahren. Insgeheim sangen wir dabei ein Loblied auf unsere Jacqueline, die uns solche Eskapaden noch erspart ließ. Wir ließen die beiden bei Klaus raus, der ein ausgewanderter Verwandter Julis ist und bei dem die beiden schlafen konnten. Nachdem auch wir uns kurz bei Klaus aufgehalten hatten, fuhren wir über kleine Straßen und Dörfer wie Neudorf (deutsche Siedlerspuren) hin nach Woodstock, wo wir einen weitläufigen Campingplatz fanden, direkt am Motueka River. Während Jakob in jenem River sein Angelglück für drei Stunden erfolglos und frustrierend versuchte, las ich zu meiner eigenen Belustigung zwei Augsburger Allgemeinen durch (Leseprobe: In einem Bericht über einen Asylsuchenden: „,Das ist okay´, sagt er in sehr gutem Englisch“). Zum Abend hin wurden wir von den unheimlich nervigen und aggressiven Sandflies in unseren Van getrieben, wo wir uns bei Kerzenschein ein Pfund Nudeln genehmigten.

Am Morgen zahlte sich die Vorausschau des Vortages aus und wir konnten im Schatten stehenden Auto ausschlafen, ohne von der wieder scheinenden Sonne gebrutzelt zu werden. Wir verwendeten das gestrige Nachmittagsprogramm diesmal am Vormittag und gönnten uns um die Mittagsstunden ein B&B, ein Bad und Bier. In dem schön erfrischenden, aber nicht zu kaltem Fluss schlürften wir bei Sonnenschein im Wasser sitzend ein Hopfengebräu, das uns auf der Fahrt nach Motueka mit dem Schild „Biergarten“ auch wieder angeboten wurde, wir das Angebot jedoch ausschlugen und nachdem wir auf dem ersten angesteuerten Campingplatz für „self-contained vehicles“ nicht bleiben durften bis hin zum nähergelegenem Ausgangspunkt für den Abel Tasman Nationalpark in Marahau fuhren. Auch dort hatten wir erst einmal Pech mit dem zuerst angesteuerten Campingplatz, auf dem sie 40 Dollar wollten und bei dem uns unser treuer Reiseführer Lonley Planet, der ansonsten wirklich zu überzeugen wusste, das erste Mal enttäuschte. Auch der zweite Campingplatz war nicht gerade ein Schnapperle, jedoch erwischten wir den allerletzten Platz und kochten uns mit spärlicher Ausrüstung eine ordentliche Mahlzeit, die aus 1,4 Kg Kartoffeln, 700g Fleisch und 2 Maiskolben bestand. Die so gewonnene Energie sollten wir am nächsten Tag brauchen.

Schon ab sieben Uhr sollten wir diese Energie wieder verbraten, denn um diese Uhrzeit bimmelte uns der Wecker aus dem Schlaf. Zwar dauerte es eineinhalb Stunden bis wir unser Zeug samt geschmierten Broten fertig gepackt hatten, doch dann ging es mit all unseren Wertsachen in den empfohlenen Abel Tasman Nationalpark. Zu Beginn erinnerte der Coastal Track an den Weg am Ammersee entlang des Ufers zwischen Herrsching und Buch. Wir begegneten kaum einer Menschenseele auf den ersten Kilometern, während sich der gut ausgebaute Weg weitgehend flach an der Küste entlangschlängelte und wenn man nicht gerade im Wald verschluckt war, mit schönen Ausblicken auf wunderschön daliegende weiß-goldene Sandstrände mit grünem Wald im Hintergrund, zu überzeugen wusste. Angekommen an unserem Tagesziel, der Anchorage Hut mit der Watering Cove in der Nähe, ruhten wir uns am noch vollkommen leeren Strand aus und stärkten uns, während wir von einer Nackteinlage eines glatzköpfigen Mannes überrascht wurden, der ganz selbstverständlich sich auszog und an uns grinsend vorbeimarschierte. Der Strand füllte sich mehr und mehr, ob von der Nackedeiaktion angezogen oder nicht, sei einmal dahingestellt. Auf jeden Fall strandeten auf einmal 13 Kajaks, was zu unserer Unterhaltung beitrug. Wir machten uns gestärkt zum zweiten Teil unseres 25 Kilometer langen Wegs auf, dem Rückweg, auf dem wir etwas enttäuscht uns darüber bewusst wurden, dass das doch eher ein Bushwalk ist als ein Coastal Track. Nichtsdestotrotz gönnten wir uns in der nun scheinenden Sonne eine ruhige Stunde am Strand mit Erfrischung im kalten türkisblauen Meer. Entgegen unseres ursprünglichen Planes fuhren wir nicht über den recht steilen kurvigen Pass in Richtung Farewell Split, sondern machten uns zurück auf den Weg nach Woodstock, wo wir in den letzten Sonnenstrahlen sitzend ein B&B genossen und uns über die Ankunft von Gerda und Andreas freuten, die uns „zufällig“ entdeckten und überrascht waren, dass wir schon da waren, obwohl sie sich direkt neben unsere Jacqueline gestellt hatten. Wir ließen uns die Strömung des Flusses hinabtragen, was solange lustig war, bis es ziemlich flach wurde und wir uns in der Strömung an jedem Stein anstießen. Wieder zu viert mit einem kurzen ersten Besuch eines fußballvermissenden Unterhachinger, der auf dem Motorrad unterwegs war, aßen wir im warmen und mückenlosen Keacamper und wurden ziemlich schnell müde. Energie sammeln für die bevorstehenden Abenteuer.

09April
2014

Von der latenten Überflutungsgefahr beim Kochen, Pick a Heckklappengummidichtung, Teetrinken auf Iranisch, einem Sternfruchtbier und einem „animiertem“ Pferdeskelett auf dem Weg gen Süden

Immer noch im Segelfieber und mit wackeligen Beinen machten wir uns auf, den Norden der Nordinsel allmählich zu verlassen, denn die vielversprechende Südinsel wartete ja noch auf uns. Doch für den ersten Tag gen Süden sollten wir nicht ganz so weit kommen, vielmehr blieben wir bei kräftigem Sturm erneut auf dem „Uretiti Campsite“ kurz nach Whangarei hängen, wobei wir uns auf dem vergleichsweise leeren Campingplatz näher zum Meer stellten, weshalb wir diesmal nicht im Regenbogenfarbenbereich landeten, wie es uns das letzte Mal passiert war. Dafür gestaltete sich das Kochen als ein durchaus anspruchsvolles Unterfangen. Es war schier unmöglich bei dem Wind draußen zu kochen, weshalb wir uns kurzerhand und praktisch, wie wir veranlagt sind, samt Tisch, Kochern und Zutaten in eine Duschkabine verzogen und uns in der eher ungewöhnlichen Küche die letzten Stücke selbstgefangenen Bonito mit einem randvollen Reistopf zubereiteten und bei jeder Bewegung darauf achten mussten, nicht aus Versehen an den Wasserhebel umzulegen und alles unter Wasser zu setzen. Belustigt von der Aktion stopften wir uns im Auto voll und schliefen gesättigt ein.

 

Der einfache Satz „Ich geh mal kurz zum Meer“ zeigte uns am nächsten Morgen auf, was für einen Lebensstil wir doch führen. Einfach mal schnell zum Aufwachen zum Meer springen und sich die belebende Meeresluft um die Nase wehen lassen, ist ein so befreiendes geniales Gefühl, das wir mit Sicherheit im meereslosen Süddeutschland wieder vermissen werden. Wachgeweht setzten wir unsere Fahrt Richtung Süden fort und machten erst wieder in Auckland Halt. In Neuseelands größter Großstadt sahen wir die Chancen am größten einen Ersatz für unsere Heckklappengummidichtung zu finden. Und tatsächlich wurden wir bei „Pick-a-Part“ fündig, ein Unternehmen, bei dem man Eintritt dafür bezahlen muss, um auf deren Gelände zu gelangen, auf dem dann Hunderte von Autos stehen, an denen man sich selbst das rauspicken darf, was man braucht. Sehr praktisch, effektiv und preisgünstig. Mit unserer neuen Heckklappengummidichtung, für die wir nur zehn Dollar dalassen mussten, fuhren wir über Taupo, das wir erstmals bei richtig schönem Wetter mit Vulkankulisse im Hintergrund des Sees erleben konnten, bis ans südliche Ende des Lake Taupo, wo wir an schon bekanntem kostenlosen Übernachtungsspot in Turangi unserer neueste Errungenschaft einbauten, unsere Kochkünste vernachlässigten und uns mit baked beans mit Tortilla Chips in schöner Stegatmosphäre begnügten.

 

Mit frisch aufgefüllten Wasservorräten fuhren wir mit unserer Jacqueline durch erst wahnsinnig beeindruckende Landschaft, die wie von einem anderen Planet aussehende Ebene rund um den Tongariro Nationalpark mit seinen verschiedenen Vulkankratern, und später durch ziemlich eintönige Farmlandschaft bis nach Wellington. In der belebten Hauptstadt fanden wir erstaunlich schnell unsere Unterkunft, ein altes und ziemlich schräg zusammengebastelt aussehendes Haus mit unheimlich verpeilten Vermietern, die nicht einmal wussten, ob sie freie Stellplätze haben, woraufhin wir selbst nachgucken mussten. In der Gewissheit eines Schlafplatzes machten wir uns auf zu einem Wahrzeichen der Stadt, der roten Cable Car, die den steilen Hang in Wellington recht senkrecht hinauffährt. Die ziemlich kurze Fahrt lässt sich durchaus als nicht so spektakulär wie erwartet beschreiben. Oben angekommen schlenderten wir gemächlich durch den bekannten Botanischen Garten hinab Richtung Zentrum, wobei wir „exotische“ Pflanzen wie die Birke nicht so interessant fanden wie den Kräutergarten, der einfach gut roch. :D Von dort aus entdeckten wir neben dem schön blühenden Rosengarten auch ein Fußballfeld, auf dem glücklicherweise ein paar Leute spielten. Vom angesammelten Bewegungsdrang und der Lust auf Fußball angetrieben ging es schnurstracks hinunter und kurze Zeit später spielten wir im Botanischen Garten von Wellington mit acht Iranern, von denen ein Großteil in der Iranischen Botschaft arbeitete, Fußball. Zwar ging uns Neuseelandsportmuffeln (trotz gelegentlicher guter Vorsätze) nach diesem Kick bei stürmischem Wind ziemlich die Puste, aber wir waren froh uns mal wieder bewegt zu haben. Prompt wurden wir, quasi zur Verlängerung, von der Gastfreundschaft der Iraner überrascht, die uns zu den am Spielfeldrand sitzenden Frauen bzw. Müttern einluden, welche eine üppige Obstschale, einen traditionellen Kuchen und vor allem eine Mousse aus Hühnchen, Kartoffeln und mehr, die man in eine Art Fladenbrot eingewickelt aß, bereithielten. Dazu gab es Tee, wobei uns beigebracht wurde, wie man auf iranische Weise das heiße Getränk zu sich nimmt (Das Zuckerstück zwischen den Schneidezähnen vom Tee umspülen lassen). In einer lockeren Atmosphäre unterhielten wir uns über Fußball, Neuseeland, ihre bisherigen Botschaftsstationen und darüber, dass der Iran nicht so schlecht sei, wie in den Medien dargestellt, woraufhin eine Einladung in den Iran folgte. Was mit der einfachen Lust auf Fußball begann, endete mit einer ernsten Einladung in den Iran. Es sind solche Momente, die eine Reise besonders machen und an die wir uns noch lange und gerne erinnern werden. Vollkommen gesättigt, aber noch mit Bierdurst ließen wir den Abend in einer Bierbar ausklingen, in der es 140 verschiedene Biersorten aus aller Welt gab (unter anderem „Schneider Weisse“). Wir entschieden uns in der ersten Runde für ein neuseeländisches Hefeweizen und in der zweiten, experimentierfreudig wie eh und je, für ein nach Sternfrucht schmeckendes Gebräu, während wir versuchten das komplexe Spiel Cricket im Fernsehen zu verstehen und den ersten Hauptstadtabend mit einem Topf Shisha auf der Straße sitzend beendeten.

 

Der nächste Tag sollte einen großen Rüttler mit sich bringen. Wir nahmen uns vor in das allseits gelobte „Te Papa“ Nationalmuseum zu gehen, das sehr informativ, interaktiv und interessant über die Tiere zu Land und zu Wasser (Hauptattraktion: der erste gefangene Riesenkalmar, konserviert, mit Augen so groß wie Orangen), die Pflanzenwelt, die Besiedelungsgeschichte, vieles weitere mehr und über die Erdbewegungen Neuseelands aufklärte. Gerade als wir mit dieser zuletzt genannten Abteilung fertig waren, uns die Hauptattraktion, ein Erdbebensimulator der Stärke 6,5, für den Schluss aufheben wollten und im gläsernen Treppenhaus uns in Bewegung setzten, das nächste Stockwerk zu erklimmen, setzte sich auch die Erde in Bewegung und es rumste ordentlich. Mein erster Gedanke war: Oh der Aufzug ist stecken geblieben; Jakobs freute sich gar über ein an der Decke hängendes „animiertes“ Pferdeskelett. Wir verstanden erst einmal gar nicht, was passiert war und wunderten uns, dass ein paar Leute im Museumscafé unter die Tische krochen. Es war keine Übung, wie wir zuerst mutmaßten! Vielmehr hatten wir gerade, frisch aus der Erdbebenabteilung gekommen, ein Beben der Stärke 6,2 miterlebt, das zwar 110 Kilometer von Wellington entfernt sein Epizentrum hatte, aber noch ziemlich stark zu spüren war. Eine interessante Erfahrung einen solchen Rüttler (üb)erlebt zu haben, auch wenn es einem gleichzeitig die unglaublichen Naturgewalten vor Augen führt. Nach diesem beeindruckenden Erlebnis gönnten wir uns noch den, nun an Attraktivität eingebüßten, Simulator genauso wie ein paar Erdbebenbiere nach diesem vollen Museumstag.

Unser letzter voller Tag in der relativen Großstadt fiel ein wenig ins Wasser. Es regnete in Strömen, was nicht gerade zu einem Stadtbummel einlud und uns zu einem Gammelvormittag im Hostel veranlasste, dem ein ausgedehnter Bibliotheksnachmittag mit kurzer Shoppingeinlage folgte. Vielleicht war das Wetter auch als passend zu beschreiben, denn es sollte unser vorerst letzter Abend auf der Nordinsel sein. Um halb drei nachts sollte die Fähre auf die Südinsel übersetzen. Ein bisschen traurig, dass sich das erste große Reisekapitel schließt, aber auch voller Vorfreude, gingen wir anlässlich dessen zum Essen. Die Pizza war gut, aber satt wurde man bzw. wir davon nicht. Weil wir jedoch nichts weiteres essbar günstiges in dem für eine Hauptstadt um halb zehn ziemlich ausgestorben wirkenden Wellington fanden, holten wir unsere Jacqueline am Hostel ab, stellten uns auf den Fährparkplatz, kochten mitten in der Stadt mit Campingkocher, -stühlen und –tisch, was ein ziemlich einmaliges Bild abgab und schoben den Blues. Genauer gesagt den Dampfnudelblues, der uns mit seinem bayerischen Humor in seinen Bann zog. Ein bisschen verwundert noch ganz ohne Boardingkarte zu sein, stellten wir uns in der Reihe wartender Autos an. Weil uns das ohne Karte dann doch irgendwie komisch vorkam, sprinteten wir kurz vor Abfahrt noch einmal in die Fährzentrale, die schon verzweifelt versucht hatten uns über Handy zu erreichen. Mit drei Boardingpässen ging es dann herunter von der Nordinsel, hinauf auf die Fähre.

 

13März
2014

Überdurchschnittstage mit Drang zum Spülen, verfressenen Wasserratten, einem zehgeilen Kormoran und zwei Kartoffeln

Der Beginn dieser Überdurchschnittstage war unterdurchschnittlich. Wir gammelten auf dem sehr einfachen Campingplatz in Pahia herum und verbrachten unsere Zeit damit entweder die eigene Musiksammlung auf dem Laptop mal auf Vordermann zu bringen oder vergeblich in die Stadt zu gehen, um neue Kopfhörer zu kaufen. Zu allem Überfluss entdeckten wir an diesem schwülen Tag, dass unsere Wasservorräte gekippt waren und sich rotbraunes Zeug darin absetzte. Ein ziemlich gebrauchter Tag, könnte man meinen.

Das änderte sich mit der Ankunft von Jakobs Eltern, Gerda und Andreas, rapide, die sich gleich zu Beginn ihrer fünfwöchigen Neuseelandreise mit uns trafen, um am nächsten Tag gemeinsam das Segelschiff zu betreten. Nach der freudigen Wiedersehenszeremonie bestaunten wir die Luxuskarosse der beiden (mit Dusche, Spüle, Kühlschrank, Elektrizität, Sitz- und Stehmöglichkeiten und vielem mehr) und führten unsererseits die „etwas“  kleinere, aber auf ihre Art feine Jacqueline vor. Nachdem wir bei unserem gemeinsamen Stadtbummel einen riesigen Marlin bestaunt hatten, hob unser Backpackerleben endgültig in andere Hemisphären ab. Auf einer Meeresterrasse wurden wir auf kühle Cocktails eingeladen. Ein bis dato nicht gekanntes Gefühl in Neuseeland in einer Bar zu sitzen und eisgekühlte alkoholische Mixgetränke zu trinken. Dementsprechend genossen wir den Moment und tauschten allerlei Geschichten aus. Wer meint, dass das ein nicht zu überbietendes Upgrade unseres bisherigen Lebens war, der irrt. Die Grenze nach oben sollte sich in diesen Tagen weit öffnen. Noch am gleichen Abend wurden wir in das feinste städtische Restaurant „Only Seafood“ eingeladen,  wo wir köstlichste Fischspeisen schmausten und das Geschichten austauschen vertieften, wobei wir als Backpacker in der edlen Atmosphäre immer wieder das Gefühl hatten, der Bedienung beim Spülen helfen zu müssen. Das erste Mal seit langem, dass wir nicht selbst die Spülbürste schwingen lassen mussten. Vorsicht Gewöhnungsgefahr! Mit vollem Magen und dem Gedanken an die morgen beginnende Schiffsfahrt, ließ es sich gut einschlafen.

Das Schiff sollte schon am Morgen ablegen und so hieß es früh aufstehen, Sachen zusammenpacken und mit Mann und Maus ab zum Hafen. Während Gerda, Andreas und ich schon einmal von Kapitän Jochen „John“ willkommen geheißen wurden und gemeinsam die restlichen Segelgäste, in der Zahl zwei (Stella und Dave aus England), begrüßten, setzte Jakob zu seinem ersten Morgenjogg an (eigentlich wollte er das öfters machen), weil er seinen IPod vergessen hatte. Als wir gegen viertel nach acht vollständig waren, wurden wir erst einmal mit dem Schlauchboot zum Segelschiff gebracht. Der anmutige Zweimaster „Manawanui“, unser zu Hause für drei Tage, erwartete uns im ruhigen Gewässer der „Bay of Islands“ mit Jessey an Bord, dem zweiten Besatzungsmitglied. Zu acht auf einem Segelschiff, auf das theoretisch 20 passten und vor uns die weite See.

Nach kurzen Anweisungen vom windgestählten Jochen, bekamen wir Kaffee und Tee serviert und genossen diesen auf unseren ersten Metern hinaus aus den besiedelten Buchten. Nachdem wir einen kleinen Felsen mit einer Basstölpelkolonie passiert hatten, wurde das erste Mal gesegelt! Ein wunderschönes Gefühl über das tiefblaue Meer zu gleiten und ohne Motorengeräusch in die Ferne zu blicken, durchaus auch mit dem Wunsch Delfine oder Wale zu sehen. Zwar entdeckten wir keinen dieser beiden Meerestümmler, dafür aber mehrere Mondfische, die im Englischen lustigerweise „sunfishes“ heißen und ganz rund sind, und einen direkt vor dem Bug schwimmenden drei Meter großen Blauhai. Die ersten beeindruckenden Erlebnisse, die gleich von den nächsten gejagt wurden. Vorbei am „Whole in the rock“, einem Loch in einem Felsen, das als Touristenattraktion verkauft wird, zog Jakob an der hinterhergeschleppten ziemlich alten Angelroute zwei Kahawais und drei Bonitos aus dem Wasser. Genug fürs Abendessen. Zu erst einmal hieß es aber Lunchzeit und selbst die war schon außergewöhnlich für uns. Bei Avocado- und Chillieiermousse, frischem Gemüse, leckerem Schinken, Brot und anderen Leckereien mussten wir aufpassen, uns noch Appetit für den Abend zu lassen. Oder man zog es vor sich vollzuessen und die überflüssigen Reserveanlagen anschließend bei einem Schnorchelgang im eng anliegenden Neoprenanzug wieder abzustrampeln. So wie es all die verfressenen Wasserratten handhabten, belohnt mit dem Anblick einer faszinierenden Unterwasserwelt voller blau schimmernder Fische, sich im Wellengang bewegenden Wasserpflanzen, einer etwas unfreundlich dreinschauenden Muräne und einer Menge Seeigel. Wieder an Bord genossen wir ein kühles „New Zealand Lager“, das wir bei der Anfahrt auf eine wunderschön einsam daliegende Sandbucht genossen. Ein traumhafter Anblick. Beeindruckt von dieser Kulisse ging es freudig fröhlich mit den Seekajaks auf Tour. Hindurch zwischen Felsformationen, kreuz und quer über das (eigentlich) relativ ruhig daliegende Wasser (das englische Paar verlor synchron das Gleichgewicht und plumpste ins Wasser) und mit einem Heidenspaß sich am paradiesischen Strand stranden lassen. Unsere Achtergruppe waren zwar die einzigen Menschen, die sich an diesem einsamen Flecken Erde erfreuten, aber nicht die einzigen Lebewesen. Denn nach einer Weile bekamen wir Besuch von einem allzu neugierigen und frechen Kormoranjungen, der unsicher watschelnd auf uns zukam. Wir erlaubten uns so manch einen Spaß mit dem nassen Fiedertier, das unsere Zehen sehr interessant fand und immer wieder versuchte nach diesen zu schnappen. Einen zehgeilen Kormoran trifft man auch nicht alle Tage.


Als wir uns alle ausgespaßt hatten und die „Manawanui“ wieder bestiegen, fuhren wir in die nächste Bucht, wo wir einen geschützten Platz zum Übernachten fanden. Während sich die Crew um das Abendessen kümmerte, machte sich der Rest der Reihe nach im für ein Segelboot ziemlich komfortablen Bad mit Dusche frisch, ehe wir noch Besuch von einem ebenfalls dort ankernden Neuseeländer mit seinem Hund bekamen. Der wurde sofort herzlich willkommen geheißen und brachte uns als Gastgeschenk einen frisch gefangenen noch lebendigen Crayfish mit, eine Hummerart. Der gute Kollege wurde etwas unsanft bei lebendigem Leibe in die Gefriertruhe gesteckt, um danach ins kochend heiße Wasser geworfen zu werden. Kneipen mal anders. Hardcorekneipen. So wurde das sowieso schon üppige Abendessen noch üppiger und es gab zur Vorspeise frisches Sushi mit dem zuvor gefangenen Bonito (vorzüglich, vor allem wenn einem der Wasabi alle Nebenhöhlen durchpustet und gefühlt zu den Augen wieder rauskommt), eine große Schüssel Salat, Maiskolben im Überschuss, den Crayfish (mit Füßen noch zum Aufknacken), unzählige Kartoffeln und zwei fleischhaltige, aber unglaublich schmackhaft gebratene Bonitos. Eine wahres Festmahl, das bis auf zwei Kartoffeln mit großer Unterstützung unsererseits vertilgt wurde. (Um unseren großen Hunger zu „rechtfertigen“, schoben wir die Begründung vor, dass ja wieder normale Backpackerzeiten kommen werden und wir ein bisschen auf Vorrat essen). Mit vereinten Kräften wurde aufgeräumt, manch einer ging schon in die Koje und manch anderer lauschte noch den Erzählungen Jochens in dem vom Mond erhellten Führerhäuschen über seine Erlebnisse auf See, ob als Meeresbiologe oder als Kapitän der Manawanui mit Gästen an Bord. Bei all dem war früher immer noch ein treuer Begleiter dabei, den wir zu gerne noch miterlebt hätten. Sein Hund Moby war wohl der Star des Segelschiffs, schwamm mit Orkas (aus Eifersuchtsgründen), bellte, wenn ein Fisch an der Angel war und war immer der erste, der Wale entdeckte. Doch der Vierbeiner verstarb leider vor einem Jahr.


Erfüllt von all den wunderschönen Erlebnissen an diesem außergewöhnlichen Tag, bei dem wir nebenbei auch strahlendes Wetter hatten, genossen es die noch Wachen (nur wir zwei)  in der Nacht bei leichtem Schaukeln auf Deck zu sein und den Mond und die Sterne zu beobachten, wobei ich als Letzter noch das einem seltenen Ohrenschmaus erfahren durfte, von dem ich erst einen knappen Monat später erfuhr was ich da gehört hatte, als ich eine Klappkarte mit Vogelgesang öffnete. Es war die eines Kiwis.

Auf diesem Segelschiff schien wirklich alles zu schmecken, selbst das Müsli bei leicht durchschüttelten Magen von der Nacht war ein Hochgenuss. Und nach so einem Frühstück einfach sieben Leiterstufen nach oben zu gehen und sich mit dem nach Meer riechenden Wind und dem wieder atemberaubend schönen Blick aufs Deck zu stellen, das hat etwas. Etwas ganz einzigartig Schönes. Ein Stückchen von Freiheit. Von diesem wunderbaren Gefühl beflügelt ging es wieder hinaus auf die offenere See, bei diesmal größerem Wellengang, so dass man durchaus festen Stand beweisen musste. Zwar bekamen wir wieder keine Delfine und Wale zu sehen, dafür nahmen wir mit einigen Mondfischen Vorlieb und tankten wir unter gespannten Segeln bei wolkenlosem Wetter ordentlich Sonne. Und so verging die Zeit rasend schnell, dass wir uns nach einem einstündigen Spaziergang an Land zu einem Leuchtturm am Cape Brett mit wunderbarer Aussicht, geführt vom hobbitähnlichen Jessy, erneut am Essenstisch wiederfanden, auf dem wieder allerlei Köstlichkeiten gedeckt waren, die Jochen in der Zeit herbeigezaubert hatte. Nach bewährtem Prinzip zwängten wir uns danach wieder in die Neoprenanzüge und machten uns auf zu einem zweiten Tauchgang auf unserem Törn. Diesmal wurden wir von einer noch vielfältigeren Unterwasserwelt verzaubert. Wir entdeckten neben den Lebewesen, die wir am Tag zuvor schon gesehen hatten, viele andere kleine und auch größere Fischarten, Knurrhähne und zu guter Letzt einen Rochen (Eagle Ray). Noch beeindruckt davon wurde uns an Bord wieder Tee serviert, den wir wohlwärmend tranken, ehe wir wieder Kurs auf die eigentliche „Bay of Islands“ nahmen. In einer traumhaft schönen Bucht, vor uns lag im Halbrund heller Sandstrand mit sich darüber leicht anhebenden saftig grünen Hügeln, ankerten wir für die Nacht. Abermals gab Jessy, der Hobbit (er war so klein, hatte leicht abstehende Ohren und lief immer barfuß), den Expeditionsführer und leitete Gerda, Andreas, Stella, Dave und uns zwei hinauf (wir diesmal auch im barfüßigem Hobbitstyle) auf einen dieser Hügel, von dem aus sich uns ein faszinierenden 360 Grad Blick über die liebliche ins Abendlicht getauchte „Bay of Islands“ bot. Auf der „Manawanui“ erwartete uns der Geruch nach geräuchertem Kahawai, den Jochen in der Zwischenzeit wieder wie im Handumdrehen vorbereitet hatte. Bei einer atemberaubend schönen Stimmung aßen wir acht wieder fürstlich (Sushi; Kahawai, Kartoffeln und Gemüse, wobei wieder alles verspeist wurde bis auf die magischen zwei Kartoffeln) auf Deck des ruhig daliegenden Segelschiffs und genossen fröhlich plaudernd die letzten Sonnenstrahlen, bevor diese rot leuchtend zwischen den Hügeln im Meer verschwand und kurze Zeit später von einem vollem Mond im Wachdienst abgelöst wurde.


Der Vollmond war auch der Grund für das nächtliche Malheur, das manch einen aus dem Schlaf riss. Die Gezeiten waren so stark, dass wir auf Grund liefen, was jedoch glimpflich ausging und wir am nächsten Morgen unbeschädigt wieder in See stechen konnten. Der letzte Tag war schon angebrochen und auch an diesem verging die Zeit zu schnell. Doch bevor wir die „Manawanui“ mit ihrer Zweimanncrew wieder verlassen mussten, ankerten wir ein letztes Mal. Ausgestattet mit Taucherbrille und Schnorchel fuhren wir mit dem Schlauchboot zu einer felsigeren Insel, sprangen hinein und „ertauchten“ uns unsere eigenen „Green lipped mussles“. Mit einem kräftigen Dreher konnte man die wesentlich größeren Muscheln als aus dem Supermarkt bekannt in geringer Tiefe lösen. Was für ein Gefühl sich die eigenen Muscheln hochzutauchen. Während die Crew das erbeutete Mittagessen zubereitete, schnappte sich jeder ein Seekajak und paddelte ein letztes Mal zwischen den Inseln der „Bay of Islands“ umher. Gerade pünktlich zum Essen waren alle Mann wieder an Bord und so konnte jeder die frisch vom Grill mit einer leckeren Soße zubereiteten Muscheln genießen, die es zusammen mit Pasta, Salat und Knoblauchbrot gab. Doch die Muschelschalen waren nicht das Einzige was ins Meer plumpste, auch wir ergaben uns dem verlockend blauem Meer und sprangen vom Schiff aus hinein ins Wasser. Erfüllt und glücklich von den Erlebnissen der letzten Stunden ließen wir uns auf dem sonnenerwärmten Deck trocknen und genossen den letzten Segelabschnitt zurück nach Pahia in vollen Zügen, wobei wir einen riesigen Fischschwarm durchquerten, Pinguine passierten und ins Wasser stürzende Basstölpel beobachteten. Auch ohne Delfine und Wale waren die drei Tage auf dem Meer unvergesslich schön. Nach einem schmerzlichen Abschied von Jochen, Jessy und der „Manawanui“, aber auch von Stella und Dave, die super Reisekumpanen waren, machten wir uns schweren Gepäcks und frohen Mutes, ganz erfüllt von all den ein wenig surreal anmutenden Eindrücken zurück zu unseren unversehrt auf uns wartenden Autos. Inspiriert von der hervorragenden Schiffsküche bereiteten Jakob und ich seinen Eltern zuerst unsere ersten eigenen Sushiversuche und später absolute Gourmetthunfischnudeln zu, mit zuvor selbstgefangenem Thunfisch. Glücklich und müde gingen wir alle ins Bett, im Kopf all die schönen Eindrücke und Erfahrungen der gemeinsamen Seestunden, von denen wir uns einig sind, dass sie zu einem absoluten Highlight unserer Reise gehören, ja wahrscheinlich sogar ein absolutes Highlight in unseren bisherigen Leben waren und für immer bleiben werden.

09Februar
2014

Von unnatürlich natürlichen Ansprüchen und zwei sandsurfsockenlosen Sandmännern

Der folgende Tag war von einem ausgeprägten Büchereisbesuch geprägt, bei dem wir es unter anderem endlich mal wieder schafften einen Blogeintrag hochzustellen und eine halbe Stunde vor Ende der Zahlungsfrist für die Tunnelmaut, diese zu bezahlen. Nachdem wir auf dem neuesten Stand waren, machten wir uns auf in Richtung Nordspitze, hindurch hügelig grüner Landschaft mit sandigem Boden. Nach einer 15 Kilometer langen Schotterpiste erreichten wir den angesteuerten Campingplatz direkt an der Spirits Bay, wo es aus religiösen Gründen verboten war den dort gelegenen Hügelberg zu besteigen. Das verwaltende Maorimädchen begründete das so: Wenn sie danach gefragt wird, wo sie herkommt, sagt sie sie komme von diesem Berg. Also eine Art Geburtsstätte. Interessant und zu respektieren. Pferde durften übrigens dort rumgaloppieren. Bei ziemlich bedecktem Wetter angelten wir, freuten uns über die ein oder andere schön aussehende Muschel, warfen uns den Rugby hin und her bevor wir zum Tagesausklang uns an unserem neu erworbenen Leiterspiel erfreuten.

Weil wir nicht so wirklich angetan von der Spirits Bay waren (unsere Ansprüche an die Natur sind vielleicht ein bisschen ins Unnatürliche abgedriftet), fuhren wir morgens zum zweiten, etwas nördlicher und näher am Cape Reinga liegenden Campingplatz. Das Cape Reinga ist der Ort, an dem die Tasmanische See und der Südpazifik aufeinandertreffen und von welchem die Maori glauben, dass sich von dort die Seelen der Verstorbenen auf eine lange Reise machen. Auf dem Weg hinab zu dem Campsite, der den sich schwer anzueignenden Namen Tapatopotu Bay innehält, kamen wir schon wesentlich mehr ins Staunen. Das lag zum einen daran, dass wir schon den einen oder anderen Blick auf die atemberaubend schön daliegende Bucht erhaschten, zum anderen daran, dass uns in der engsten Haarnadelkurve auf einer Schotterpiste plötzlich und völlig unerwartet ein 50-Sitzer Bus entgegenkam. Zwar blieben beide Fahrzeuge rechtzeitig stehen, aber beim Versuch aneinander vorbeizufahren, erwischte der Bus unsere Jacqueline am hinteren rechten Eck. Und nach einem unschönen Kratzgeräusch und einem kleinen Durchschüttler war schwupps unser Licht ab und die Jacqueline um ein paar Schrammen und Dellen reicher. Das Licht war relativ schnell wieder repariert, während die anderen Blessuren blieben. Immer aufs Hinterteil. Mit so etwas muss man auf einer solch großen Reise durchaus mal rechnen, auch wenn es ziemlich ärgerlich ist.

Etwas mitgenommen von dem kleinen Crash versuchten wir in der friedvoll daliegenden Bucht zu entspannen, was uns und unserem Geldbeutel (6$ pro Person und Nacht) ganz gut gelang und bei Wellenspringen, Angeln, Schlafen, Lesen, Rugby, Musik und zu späterer Stunde leckerem Essen, das alles noch bei perfektem Ambiente von einer phänomenalen Riesensternschnuppe vergoldet wurde. Ein Leben wie gemalt.

Ganz so bilderbuchmäßig gemalt wollte der nächste Tag nicht beginnen. Es regnete, was uns dazu brachte solange im Van zu bleiben, bis vom Regen nur noch Wind übrig blieb. Ein durchaus kräftiger Wind, der uns zum wiederholten Mal zeigte, wie glücklich man als Vanbesitzer im Gegensatz zu einem Zeltbesitzer ist, wenn man sich so die wegwehenden Zelte betrachtete. Mehr oder weniger gestärkt von einem Frühstück mit schon etwas angeschimmeltem Brot, das man auch noch gegen nervige Möwen verteidigen musste, beschlossen wir nicht etwa zum Cape Reinga zu fahren, sondern dorthin zu laufen. Eine Entscheidung, die den regnerisch begonnenen Tag in einen wieder malerisch schönen verwandelte.

Die Wanderung hatte sich schon alleine nach dem ersten kleinen Anstieg gelohnt. Von dem die Bucht begrenzenden Steilfelsen aus, bot sich uns ein wunderbarer Blick auf die Tapatopotu Bay, wie sie lieblich mit ihrem weißen Sandstrand und dem von klarem Wasser gespeisten dort mündenden Fluss mit den dahinterstehenden Pohutukawa-Bäumen dalag. Eine Traumbucht. Auch im weiteren Wegverlauf kamen wir immer wieder ins Staunen, begeistert von der Steilküste, an der man die meiste Zeit entlanglief, begeistert von den schönen weißen Buchten, begeistert von dem Wechselspiel aus rau und lieblich und bei all dem auch noch beschwingt vom kräftigem Wind bei gleißender Sonne. Nach 1 1/4 Stunden (angeschrieben waren drei), erreichten wir den asphaltierten Weg hin zum Leuchtturm von Cape Reinga und schwupps verlor die Küste durch die plötzlich vielen Menschen etwas von ihrem Zauber. Der Leuchtturm an sich war keine exorbitante Schönheit, da hätte man auch einfach nach Helgoland fahren können, einzig die Vorstellung, dass hier die Tasmanische See und der Südpazifik aufeinandertreffen, was man auch durchaus beobachten konnte, wie die beiden Meere ihre Kräfte maßen, und die Vorstellung, dass nach diesem fast nördlichsten Punkt Neuseelands ganz lange kein Festland mehr kommt, machten den Ort zu einem bisschen Besonderen. Trotz der Besonderheit waren wir froh wieder auf unserem ganz eigenen Weg zurück zu unserer Jacqueline zu laufen, einer Küstenwanderung, die wir nicht so schnell vergessen werden und besser war als jeder gehypter „Great Walk“.

Am Morgen des schon zehnten Tages im neuen Jahr machten wir einen auf „early bird“. „Schon“ um elf waren wir mit allem fertig und abfahrbereit. Ab zur „Endless Summer Lodge“ in Ahipara (immer noch am Anfang des Ninety Miles Beach). Wahrlich ein Haus zum Wohlfühlen. Eine altehrwürdige Kaurivilla, mit einem schönen Garten u.a. mit Bananenstauden, einladenden Hängematten und Liegestühlen, Außendusche, zwei Hunden, einem wunderbar langem Holztisch unter einer von Wein bedeckten Gartenlaube, und all das einen Steinwurf vom Meer entfernt. Das erste geschmackvoll eingerichtete Haus, in dem man sich richtig wohl und zu Hause fühlte, weswegen wir es auch in Kauf nahmen, das erste Mal seit wir Besitzer unserer Jacqueline sind, nicht in dieser zu schlafen. Doch bevor ans Schlafengehen zu denken war, wollten wir mit den kostenlos ausleihbaren Sandsurfboards unbedingt ausprobieren, eine große Sanddüne hinunter zu brettern. Nach einer Stunde Fußmarsch hatten wir die zu „besurfende“ Düne erreicht und ärgerten uns beim Hinauflaufen erst einmal, dass wir es versäumt hatten Socken mitzunehmen. Der Sand war arschheiß. Nichtsdestotrotz wollten wir uns dieses Erlebnis nicht entgehen lassen und stampften schnellen Schrittes ohne Sandsurfsocken den steilen Hang hinauf. Nach einer kurzen Überwindungsphase, es war schon etwas arg steil und so gut wie kein Auslauf vorhanden, stürzten wir uns nacheinander den Hang hinunter. Nach einer rasanten Fahrt endete diese eher unsanft und abrupt, aber noch ohne Verletzungsfolgen abrollend im Gras. Beim zweiten Mal ging es noch ein bisschen höher. Noch voller Übermut raste Jakob bäuchlings die Düne hinab bis er plötzlich unsanft stoppte, er sich überschlug und von oben sehr Sand zu sehen war und eher wenig Jakob. Diesmal mit Verletzungsfolge, denn das Handgelenk war wohl gestaucht. Aber Hauptsache, der wilde Ritt wurde mit der Actionkamera aufgenommen! Nachdem mein zweiter Bäuchlingsritt „nur“ mit einer Rolle ins Gras endete, sah ich mich unter „Zugzwang“ und musste unbedingt ausprobieren, die Düne im Stehen hinunter zu surfen. Eine Erfahrung, die damit endete, dass ich kopfüber in den Sand eintauchte. Und so machten sich zwei Sandmänner zurück zum Auto, die bisher nicht wussten wo man überall Sand haben konnte, von denen der eine, eine etwas anhaltende, beeinträchtigende Verletzung von sich trug, während der andere die Boogieboardwellen seines Lebens erwischte (in drei aufeinanderfolgenden Versuchen mindestens (!) 50 Meter gesurft) und beide zusammen dann 19 Pfannkuchen gefüllt mit Hühnchen, Mais, Oliven und allerlei mehr in dem sehr lauschigen Außenbereich verdrückten.

Der nächste Tag fiel unter die Kategorie „Haustag“, denn der eigentliche Plan das Surfen auszuprobieren wurde von einer Wellenflaute durchkreuzt. Aber rund um das schöne Haus verging auch dieser Tag weit weg von zu Hause wie im Flug.

Nach dem nächsten Sonnenaufgang nahmen wir rasch Abschied von Haus und Leuten und setzten unsere Fahrt nach Pahia fort, gelegen in der Bay of Islands und Startpunkt unseres herbeigesehnten Segeltrips. Dabei nahmen wir ein Stück weit einen alten Maori mit, der schon beim Einsteigen sich selbst im Nuscheln übertraf. Nach unseren eigentlich ernst gemeinten Fragen, mussten wir uns bei seinen Antworten immer dermaßen zusammenreißen, dass es uns vor Lachen nicht zerbrezelt. Zu lustig und unverständlich war die Artikulation des Greises. All dem setzte er die Krone auf, als er unvermittelt uns seinen Wanderstock präsentierte, mit den simplen Worten: „this is my walking stick“. Belustigt von dem Mann fortgeschrittenen Alters, der übrigens seine Mama besuchen wollte, ging die wilde Fahrt weiter auf dem Motorway und kleinen Abkürzungsstraßen, auf denen wir erstmals in den Genuss kamen ein Schild zu lesen, das auf Kiwis (die Vögel) verwies. In Pahia selbst wirkte alles ziemlich touristisch. Hotel neben Hotel (bzw. Motel) mit exotischen Namen wie Edelweiß und Supermarktpreisen, bei denen man drei Mal auf die Preisschilder gucken musste, um sie zu realisieren. Auf dem einfachsten Campingplatz des Ortes fanden wir ein freies Plätzchen, grillten uns leckere Burger, kamen ins Gespräch mit einer, die wir schon einmal in Whitianga getroffen hatten und dort den legendären Satz von sich gegeben hatte: „Ich ess  jetzt schon seit drei Tagen Instantnudeln, die sind sooooo lecker!“ und kehrten nach einem kleinen Stadtspaziergang ohne Ausgaben für überteuerte Genussmittel oder sonstiges zurück. Man führt ja ein durchschnittliches Backpackerleben. Das sollte sich ab morgen ändern.

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